ZSC Lions: Kossmann deckt auf, wie miserabel Wallson war

Aktualisiert

ZSC LionsKossmann deckt auf, wie miserabel Wallson war

Der Höhenflug der ZSC Lions. Die Auferstehung von Spielern wie Mike Künzle und Fabrice Herzog. Es wirft kein gutes Licht auf Ex-Trainer Hans Wallson.

von
Marcel Allemann
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Hans Wallson fand nie das Gespür für die Spieler.

Hans Wallson fand nie das Gespür für die Spieler.

Keystone/Siggi Bucher
Ganz im Gegensatz zu Hans Kossmann, er weist ihnen den Weg.

Ganz im Gegensatz zu Hans Kossmann, er weist ihnen den Weg.

Keystone/Melanie Duchene
Etwa Phil Baltisberger, der sich zu einem Top-Defensivverteidiger entwickelt hat.

Etwa Phil Baltisberger, der sich zu einem Top-Defensivverteidiger entwickelt hat.

Peter Klaunzer

Die ZSC Lions räumen bis jetzt alles aus dem Weg, was sich ihnen in diesem Playoff in den Weg stellt. Zunächst musste der EV Zug dran glauben, im Halbfinal dann der SC Bern und nun führen sie auch in der Final-Serie gegen Lugano mit Break.

Es ist die grandiose Leistung eines Teams, das plötzlich zu einander gefunden hat und echtes Playoff-Hockey spielt. Geschrieben wurden in den letzten Wochen aber auch interessante Einzelgeschichten. Sie zeigen, wie gut Notnagel-Trainer Hans Kossmann mit seinem Team gearbeitet hat. Dadurch ist jetzt aber auch ersichtlich geworden, wie miserabel sein Vorgänger Hans Wallson effektiv war.

Kossmann hat viele Spieler an das Maximum ihres Leistungspotenzials gebracht. Unter Wallson, der notabene bei seiner Verpflichtung als der grosse Ausbildungs-Guru angepriesen wurde, stagnierten sie oder wurden sogar schlechter. Der Schwede war ein riesiges Missverständnis. Ein Traumtänzer, der unsere Liga nie wirklich verstanden hat und seine Spieler erst recht nicht, wie diese Beispiele zeigen:

Phil Baltisberger: Man hatte immer das Gefühl, dass viel mehr Potenzial in ihm schlummert. Doch erst seit Wallson entlassen wurde, ist auch etwas davon zu sehen. Vorher war er oft ein Risikofaktor, unter Kossmann ist der Bruder von Chris Baltisberger nun ein physisch starker, verlässlicher Defensivverteidiger und Blocker geworden, der die Gegenspieler beträchtlich nervt. Man spürt richtiggehend, wie wohl er sich inzwischen in seiner Haut fühlt.

Dave Sutter: Der Romand kam aus Biel nach Zürich, weil er sich weiter entwickeln, den nächsten Karriere-Schritt tätigen wollte. Doch der gebürtige Kameruner erhielt von Wallson keinerlei Weiterbildung, war auf sich allein gestellt, in seinem Spiel hektisch und beging dadurch zu viele Fehler. Sutter war auf bestem Weg, zum Fehleinkauf abgestempelt zu werden. Erst jetzt unter Kossmann sieht man, wie wertvoll dieser Hüne ist. Er spielt überragende Playoffs.

Samuel Guerra: Der Tessiner ist ein ähnlicher Fall wie Sutter. Kam 2016 aus Davos, um in einer noch grösseren Organisation besser zu werden. Doch die anderthalb Jahre unter Wallson waren nichts anderes als verlorene Zeit. Guerra war ein Hochrisikofaktor, seine Blackouts teilweise haarsträubend. Doch unter Kossmann hat auch er sich stabilisiert, lässt sich nicht mehr stressen und begeht kaum noch Fehler. Unterschrieb, als er beim ZSC noch nicht auf Touren kam, in Ambri. Sein Jugendverein kann sich auf den erstarkten Rückkehrer Guerra freuen.

Ronalds Kenins: Enttäuschte grenzenlos, seit er vor anderthalb Jahren aus der NHL zurückkehrt ist. Bewegte sich irgendwo im luftleeren Raum und machte nicht mehr dies, was ihn einst so stark gemacht hatte. Auch weil er von Wallson offensichtlich keinerlei Vorgaben erhielt. Doch Kossmann glaubte an den Letten mit Schweizer Lizenz und gab ihm das zu spüren. Seither trumpft er wieder auf. Als während der Saison bekannt wurde, dass Kenins auf die nächste Saison zu Lausanne wechselt, hielt sich das Bedauern darüber in engen Grenzen. Dies hat sich inzwischen geändert.

Fabrice Herzog: Ein weiterer Spieler, der unter Wallson nicht auf Touren kam und mit dessen Führungsstil nicht zurecht kam. Bei den ZSC Lions hatte man den Powerflügel schon fast aufgegeben, ihn Ende Saison trotz weiterlaufendem Vertrag abzugeben, wurde zum Thema. Doch dann kam Kossmann und auch Herzog blühte auf. Bärenstark in den Playoffs. Immer in Bewegung, geht dem Gegner unter die Haut, dazu ein Mann für wichtige Tore.

Mike Künzle: Noch ein Spieler, der von Wallson richtiggehend zu einem anderen Verein getrieben wurde. Unterschrieb zum Jahreswechsel beim EHC Biel. Doch Kossmann ermöglich ihm nun einen schönen Abgang, hat eine Rolle für ihn gefunden, in welcher der Stürmer seine Stärken ausspielen kann. Traf in den letzten drei Partien stets, erzielte das goldene Tor zum 1:0-Sieg in Finalspiel 1.

Die Jungen: Eine echte Chance erhielten sie unter Wallson nie. Wallson setzte sie nur ein, wenn ihm die Verletzten-Situation keine andere Möglichkeit liess. So wurde beispielsweise der im Playoff so grossartig aufspielende Tim Berni nach einigen Tagen beim ZSC wieder zu GCK zurück geschickt. Das reiche nicht, befand Wallson, der sich ohnehin nie gross dafür interessierte, was beim Farmteam so abgeht. Und Marco Miranda, von dem nun alle schwärmen, wurde nach seinem ersten Tor in der National League so abgestraft, dass er anschliessend kaum noch Eiszeit erhielt. Was für unfassbare Fehleinschätzungen des Schweden! Unter Kossmann erhalten die Junglöwen Auslauf. Sie zahlen es ihm mit Topleistungen zurück.

Samu's Slapshot zum ersten Final-Spiel

Samu ist begeistert von der Zürcher Defensive. (Quelle: Teleclub)

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