Aktualisiert 05.10.2016 09:10

9880 Franken pro Empfänger

Kosten für Sozialhilfe sind markant gestiegen

Der Staat unterstützte Sozialhilfe-Empfänger 2014 mit mehr Geld als noch wenige Jahre zuvor. Laut einer Fachperson lassen Single-Haushalte und teure Mieten die Kosten steigen.

von
bz
Während Sozialhilfebezüger 2009 für den Grundbedarf, Miete und medizinische Grundversorgung pro Jahr noch 7722 Franken empfingen, waren es 2014 9880 Franken.

Während Sozialhilfebezüger 2009 für den Grundbedarf, Miete und medizinische Grundversorgung pro Jahr noch 7722 Franken empfingen, waren es 2014 9880 Franken.

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Über 2000 Franken mehr wirtschaftliche Sozialhilfe erhielten Schweizer Sozialhilfeempfänger 2014 im Durchschnitt. Während sie 2009 für den Grundbedarf, Miete und medizinische Grundversorgung pro Jahr noch 7722 Franken empfingen, waren es 2014 schon 9880 Franken. Da gleichzeitig auch die Zahl der Empfänger gestiegen ist, haben Kantone und Gemeinden laut «Tages-Anzeiger» 2014 mit 2,588 Milliarden deutlich mehr Geld ausgegeben als zuvor: Die neuste Finanzstatistik der Sozialhilfe, die das Bundesamt für Statistik am Dienstag veröffentlichte, registriert allein zwischen 2013 und 2014 eine Zunahme dieser Summe von 5,4 Prozent.

Total kostete die wirtschaftliche Sozialhilfe 2014 Bund, Kantone und Gemeinden 7,9 Milliarden Franken. Hinzu kommen Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, Alimentenbevorschussungen sowie Beihilfen für Rentner, Invalide, Familien und Arbeitslose. Im Vergleich zum Vorjahr haben auch diese Ausgaben mit 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (3,6 Prozent) markant zugenommen.

Hohe Krankenkassenprämien

Die Zunahme lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass die Empfänger mehr Geld erhielten. Laut Christin Kehrli, Geschäftsführerin ad interim der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos), ist eine ganze Reihe von Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich.

In den letzten Jahren haben sich vor allem in den grossen Zentren die Mieten stark verteuert. Zugleich stiegen die Krankenkassenprämien. Diese belasten die Versicherten unterschiedlich, denn manche Kantone verbilligen die Krankenkassenprämien für Sozialhilfebezüger vollständig, andere nur teilweise.

Ausserdem nimmt die Zahl der Single-Haushalte zu. Da die Ausgaben für Wohnung, Essen oder Telefonanschluss nicht mit Mitbewohnern geteilt werden können, hat dies höhere Kosten für den Staat zur Folge.

Auch ist der Zugang zu einer IV-Rente erschwert worden, sodass heute mehr Personen Sozialhilfe beantragen. Kehrli: «Manche sind zu gesund, um eine IV-Rente zu erhalten, aber zu krank oder zu wenig leistungsfähig, um eine Stelle zu finden.»

Bern ist Spitzenreiter

Kehrli hält es für naheliegend, dass auch die steigende Zahl der Flüchtlinge die Sozialhilfe-Ausgaben pro Kopf erhöhen. Viele haben keine Angehörigen, die sie unterstützen könnten. Dazu kommen Sprachdefizite und mangelhafte Ausbildungen. Entsprechende Zahlen liegen der Skos zurzeit aber noch nicht vor.

Die Ausgaben pro Empfänger sind in den Kantonen unterschiedlich. Spitzenreiter 2014 war der Kanton Bern mit 11'465 Franken, Schlusslicht bildete der Kanton Freiburg mit 5859 Franken. Der Kanton Zürich bezahlte im Schnitt 10'726 Franken.

Janine Heldner, Abteilungsleiterin beim Sozialamt des Kantons Berns, kann sich vorstellen, dass die Empfänger im wirtschaftlich weniger starken Kanton länger brauchen, um wieder eine Stelle zu finden. Auch arbeiteten mehr Personen als früher auf Abruf oder verdienten zu wenig, um davon leben zu können.

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