Kostenexplosion«Sehr schlechte Entwicklung» – Politik zeigt sich besorgt
Um die steigenden Lebenskosten tragen zu können, suchen sich Menschen in der Schweiz vermehrt Zweitjobs. Mehreren Parteien bereitet diese Entwicklung Sorgen.
Steigende Kosten: Darum gehts
Die hohen Wohn-, Strom- und Krankenkassenkosten bereiten vielen in der Schweiz zunehmend finanzielle Schwierigkeiten.
Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer haben oder suchen deshalb nach Nebenjobs.
Politikerinnen und Politiker sind sich einig, dass das eine schlechte Entwicklung ist und in der Schweiz nicht der Fall sein sollte.
Nach Prämienerhöhungen bei den Krankenkassen, steigenden Strompreisen und hohen Wohnkosten wird es für viele in der Schweiz immer schwieriger, die Lebenskosten zu stemmen.
Um die Rechnungen zahlen zu können, suchen sich mehr und mehr Schweizerinnen und Schweizer Zweitjobs. Diese Entwicklung bereitet auch Politikerinnen und Politikern Sorgen.
Löhne sollen der Teuerung angepasst werden
«Das zeigt klar, wie hart der Anstieg der Mieten, der Krankenkassenprämien und der Strompreise die Schweizer Bevölkerung und deren Kaufkraft trifft», sagt SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen. Es sei nun zentral, dass die Löhne an die Teuerung angepasst würden. Zudem müsse das Parlament vorwärtsmachen und einen grosszügigen Gegenvorschlag für die Prämienverbilligungen treffen – das würde bereits eine grosse Entlastung für den unteren Mittelstand bringen.
«Problematisch bei Nebenjobs ist auch, dass die Politik noch keine Lösungen in Sachen Sozialversicherungen hat – bei Mehrfachbeschäftigung sind Arbeitnehmende nicht über die berufliche Vorsorge versichert», so Wasserfallen. Zwar würden Nebenjobs auf kurze Sicht Abhilfe schaffen, aber Risiken und Probleme bei der Rentenbildung mit sich bringen. «Die angespannte finanzielle Situation darf jetzt nicht ausgenutzt werden, um schlecht abgesicherte Arbeitsmodelle wie die Arbeit auf Abruf oder Nebenjobs zu pushen», sagt sie.
Unternehmen steckten in ähnlich schwieriger finanzieller Situation
Auch Mitte-Nationalrat Lorenz Hess zeigt sich besorgt: «Das ist eine sehr schlechte Entwicklung.» Viele Faktoren könne man nicht wirklich beeinflussen, sagt Hess – die Energiekosten seien durch den Ukraine-Krieg und seine Folgen entstanden, die Krankenkassenprämien stiegen aufgrund der hohen Summe an Gesundheitsleistungen, welche Schweizerinnen und Schweizer beziehen würden.
Man müsse nun versuchen, diese Entwicklung zu stoppen – vorher sei es aber wichtiger, sie zumindest abzufedern. «Geht die Entwicklung jedoch so weiter, müssen wir weitere Lösungen finden als nur Krankenkassenprämienverbilligungen.»
Dass auch die Löhne tendenziell an die Teuerung angepasst werden müssten, sei klar. Bei den Behörden sei dies weitestgehend auch getan worden – in der Privatwirtschaft scheitere es jedoch daran, dass viele Unternehmen ähnlich schwierige Finanzen hätten. «Es gibt energieintensive Betriebe, die heute 20- bis 30-mal höhere Stromkosten tragen müssen als noch vor zwei Jahren», so Hess. Zudem sei auch die Teilzeitarbeit ein Thema: Eine finanzierbare Kinderbetreuung, die derzeit politisch debattiert wird, könne dafür sorgen, dass beide Elternteile wieder arbeiten könnten und Mütter bessere Voraussetzungen für eine Rückkehr in die Arbeitswelt hätten.
Vollzeit-Lohn muss zum Leben reichen
«Wer Vollzeit arbeitet, muss auch einen Lohn verdienen, der zum Leben reicht», sagt auch FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt. Die Schweiz dürfe kein Land sein, in dem es mehrere Jobs brauche, um zu überleben. «Es braucht günstige Rahmenbedingungen für Firmen und einen Bürokratie-Abbau, damit mehr in die Mitarbeitenden und ihre Löhne investiert werden kann», sagt er. Zudem müsse sichergestellt werden, dass Gesamtarbeitsverträge eingehalten würden und alle nach den gleichen Spielregeln handelten.
Die hohen Lebenskosten werden auch in der kommenden Herbstsession ein grosses Thema sein. Unter anderem wird über die Stromversorgung, Krankenkassenprämien und Kostendämpfungen debattiert. Die Herbstsession beginnt am 11. September.
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