Aktualisiert 03.07.2014 11:51

Brustkrebs Vorsorge

Kostenloses Brust-Röntgen für alle über 50

Basel-Stadt startet ein systematisches Mammografie-Screening. Über 23 000 Frauen im Kanton erhalten eine Einladung zum Röntgen.

von
lha
Brustkrebs-Vorsorge auch für sozial Schwache: In Basel-Stadt erhalten alle über 50-jährigen Frauen im Kanton eine Einladung zum Mammographie-Screening.

Brustkrebs-Vorsorge auch für sozial Schwache: In Basel-Stadt erhalten alle über 50-jährigen Frauen im Kanton eine Einladung zum Mammographie-Screening.

Basler Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren können alle zwei Jahre kostenlos eine Röntgenuntersuchung zur Brustkrebsvorsorge auf Kosten der Krankenkassen durchführen lassen. Der Kanton Basel-Stadt startet dazu ein systematisches Mammografie-Screening-Programm.

An den Kosten beteiligt sich der Kanton Basel-Stadt mit jährlich 500'000 Franken. Das Programm wird von der Krebsliga beider Basel durchgeführt. Ende Juli erhalten alle über 50-jährigen Baslerinnen eine Einladung zur Brustkrebsvorsorge, wie am Mittwoch mitgeteilt wurde. Der Brief wurde in sieben Sprachen verfasst.

Über 23'600 Frauen im Kanton gehören zur Altersgruppe 50 bis 69 Jahre. Jährlich würden 11'750 Frauen zur Mammografie aufgeboten, hiess es weiter. Nicht alle Frauen werden am staatlichen Programm teilnehmen, denn viele Baslerinnen lassen sich jeweils individuell untersuchen.

Fokus auf Migrantinnen

Im Jahre 2010 waren dies rund 16'000 Frauen, darunter viele jüngere. Laut dem Gesundheitsdepartement ist das individuelle Screening allerdings nicht qualitätskontrolliert, kostenintensiver und vor allem nicht allen Frauen aus allen sozialen Schichten zugänglich.

Die Namen der Frauen erhält die Krebsliga vom Amt für Bevölkerungsdienst und Migration. Der Datenschutz sei gewährleistet, versicherte Werner Schmid, Präsident der Krebsliga.

Besonders angesprochen werden sollen Migrantinnen. Deswegen werde auch darauf geachtet, dass Röntgenuntersuchungen nur durch Frauen durchgeführt werden, sagte Projektleiter Athanassios Dellas auf Anfrage. In Spitälern sind zuweilen auch Männer mit dieser Aufgabe betraut.

Auch Baselland soll einsteigen

Am Screening-Programm beteiligen will sich auch die Baselbieter Regierung. Sie hat am Dienstag dem Landrat für die Jahre 2015 bis 2018 einen entsprechenden Verpflichtungskredit von zwei Millionen Franken beantragt. Das Parlament hatte dazu bereits früher einen Bericht bei der Regierung in Auftrag gegeben.

Im Rahmen des Programms könnten im Kanton Baselland jährlich rund die Hälfte der Frauen zwischen 50 und 70 Jahren zu einer Früherkennungsuntersuchung eingeladen wären, teilte die Regierung mit. Rund 37'700 Baselbieterinnen zählen zu dieser Altersgruppe.

Derzeit nähmen etwa 15 Prozent der Frauen bereits eine Vorsorgeuntersuchung vor, hiess es weiter. Es dürfe erwartet werden, dass mit dem Früherkennungsprogramm die Brustkrebssterblichkeit bei den untersuchten Frauen um 15 bis 20 Prozent gesenkt werden kann. Der Nutzen eines Screenings werde allerdings kontrovers beurteilt.

Schweiz hinkt Europa hinterher

In der Schweiz hat bisher rund die Hälfte aller Kantone Mammografie-Screening-Programme eingeführt oder beschlossen. Weit verbreitet sind sie auch in Europa: Mit Ausnahme von Österreich und Griechenland kennen alle EU-Staaten flächendeckende Programme. (lha/sda)

Brustkrebs

Weltweit wird bei mehr als 1,3 Millionen Frauen pro Jahr Brustkrebs diagnostiziert, etwa 500 000 Frauen sterben daran. Laut Informationen der Krebsliga erkranken jedes Jahr etwa 5300 Frauen und 30 bis 40 Männer an einem Mammakarzinom. Risikofaktoren sind unter anderem das Alter, die erbliche Veranlagung oder Übergewicht. Auch die weiblichen Hormone spielen häufig eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs. Etwa zwei Drittel der bösartigen Brusttumoren wachsen in Relation zu den Geschlechtshormonen, insbesondere zum Östrogen. So gelangen in der Krebstherapie neben der Standardbehandlung auch Medikamente zum Einsatz, die antihormonell wirken.

Das in den USA entwickelte Medikament Aromasin gehört zur Gruppe der Aromatasehemmer. Bislang wurde das Arzneimittel zur Zusatzbehandlung von Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren angewendet. Neuerdings soll es auch zur Prävention eingesetzt werden, allerdings nur bei Frauen mit erhöhtem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Eine US-Studie hat ergeben, dass die Nebenwirkungen geringer sind als bisher angenommen. Freilich stehen weitere Untersuchungen noch aus.

dapd/rre

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