Aktualisiert 06.08.2018 13:19

WWF fordert Ticket-Abgabe

Kostet Fliegen wegen Klimawandel bald mehr?

Viele Schweizer nehmen oft und gern das Flugzeug. Das beschleunige den Klimawandel, sagt der WWF, und fordert eine Abgabe auf Flugtickets.

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jdr/vro
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Geht es nach dem WWF und anderen Umweltaktivisten, kommt eine Abgabe auf Flugtickets auch in der Schweiz.

Geht es nach dem WWF und anderen Umweltaktivisten, kommt eine Abgabe auf Flugtickets auch in der Schweiz.

Keystone/Steffen Schmidt
In Schweden wurde die Umwelt-Abgabe unlängst eingeführt.

In Schweden wurde die Umwelt-Abgabe unlängst eingeführt.

Brytta
Für Pascal Vuichard, Co-Prädident der Jungen Grünliberalen, sollte sich die Schweiz an anderen Ländern, in denen die Taxe bereits existiert, ein Vorbild nehmen.

Für Pascal Vuichard, Co-Prädident der Jungen Grünliberalen, sollte sich die Schweiz an anderen Ländern, in denen die Taxe bereits existiert, ein Vorbild nehmen.

Keystone/Peter Schneider

Der Flugverkehr in der Schweiz verursacht rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen – Tendenz steigend. Darum fordert der Umweltverband WWF die Einführung einer Flugticket-Abgabe, wie sie Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und andere europäische Länder schon kennen. «Mit einer Flugticket-Abgabe lassen sich wenigstens einige der in Geld messbaren Kosten des Klimawandels verursachergerecht finanzieren», sagt Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz. «Dazu zählen etwa Unwetterschäden oder Subventionen für Bauern im In- und Ausland, die auf neue, klimaresistente Sorten umsteigen wollen.» Hofstetter schweben Abgaben in der Höhe von rund 30 Franken für Kurzstreckenflüge und rund 100 Franken für Langstreckenflüge vor.

Die aktuelle Hitzeperiode gebe einen Vorgeschmack auf die Kosten des Klimawandels, heisst es in der Medienmitteilung des WWF vom Montag. Zu befürchten seien Ernteausfälle, sinkende Arbeitsproduktivität, zerstörte Naturwerte und hohe Kosten für die Anpassung an Überschwemmungen, Hitze und andere Wetterextreme. «In der Schweiz wird das teuer, in vielen armen und heute bereits heissen Ländern geht es um Leben und Tod.» Bisher bezahlten fast ausschliesslich die Direktbetroffenen oder die Allgemeinheit für diese Schäden.

Zwar können Schweizer bei einigen Airlines heute schon freiwillig eine CO2-Kompensation leisten, der Aufwand sei jedoch zu «umständlich», findet Hofstetter. «Teilweise muss man sogar auf separate Internetseiten, um die Abgabe zu entrichten.» Doch die Bereitschaft, diese zu zahlen, sei durchaus hoch. «Die Leute werden sich die Folgen des Klimawandels immer mehr bewusst und dass die aktuellen Flugticketpreise die wahren Kosten nicht decken ist mittlerweile allen klar», so Hofstetter. Nun müsse noch die Politik mitziehen.

«15 Franken mehr für einen Trip nach London»

GLP-Vizepräsident Pascal Vuichard befürwortete einen solchen Vorstoss gegenüber 20 Minuten bereits im April. Der Schweiz drohe sonst, «auch beim Fliegen das europäische Schlusslicht im Bereich des Klimaschutzes» zu werden. Vuichards Vorschlag: eine Abgabe von 80 Franken pro Tonne CO2. Ein Flug nach London in der Economy-Klasse würde rund 15 Franken teurer.

«Damit könnten die wahren Kosten des CO2-Ausstosses gedeckt werden, gleichzeitig würden andere Verkehrsmittel im Vergleich wieder wettbewerbsfähiger.» Das heutige System sei unfair, weil Airlines – anders als etwa Fernbusse – von der Mineralölsteuer befreit seien. Die Einnahmen aus der Flugtaxe sollen laut Vuichard wieder an die Bevölkerung zurückverteilt werden: «Mit den Erträgen könnten mehr Solaranlagen auf Schulhäusern erstellt oder Krankenkassenprämien vergünstigt werden.»

Regionale Lösung wenig effizient

Dagegen hält Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident des Luftfahrt-Dachverbandes Aerosuisse, den Ansatz für falsch: «Das ist eine blöde Idee: Mit einer regionalen Lösung schafft man höchstens ungleiche Spiesse und produziert Umwegverkehr.» Denn Flugpassagiere reagierten sehr empfindlich auf höhere Preise, sagte er zu 20 Minuten im April: «Seit zehn Jahren kann man mit der Stiftung Myclimate den CO2-Ausstoss freiwillig kompensieren. Das tun aber die wenigsten.»

Hurter sagt, nur ein weltweites Abkommen, dem sich auch die Airlines aus der Golf-Region, den USA oder China unterwerfen, helfe dem Klima wirklich. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation plane ein Abkommen, das eine Kompensation des CO2-Wachstums ab 2020 bringen soll.

Nachtzug statt Billigflieger

Bereits im Frühjahr richteten die Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit (Klug) und der Verein umverkehR, unterstützt von zahlreichen Umwelt- und Verkehrsorganisationen sowie SP, Juso und Grüner Partei, einen offenen Brief an Verkehrsministerin Doris Leuthard.

Die Schweiz solle Flugticketabgaben und eine Kerosinsteuer erheben und klimafreundliche Transportmittel wie Nachtzüge fördern. Schweizer sind laut den Unterzeichnenden doppelt so viel mit dem Flugzeug unterwegs wie die Einwohner der Nachbarländer. Dabei hätten über 80 Prozent der Flüge aus der Schweiz einen Zielort innerhalb von Europa. Hier bestehe ein grosses Einsparpotenzial, hiess es im Brief.

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