Aktualisiert 14.10.2014 12:22

Fäkalpillen

Kot-Kapseln ersetzen Stuhl-Transplantationen

Um Patienten zu heilen, die an einer schlimmen Darm-Entzündung leiden, wird ihnen der Stuhl gesunder Menschen verpflanzt. Doch es geht auch einfacher.

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Die Einnahme von Kapseln mit Bakterien aus dem Kot gesunder Menschen stoppt lebensbedrohliche Durchfälle in kurzer Zeit  und ganz ohne Nebenwirkungen.

Die Einnahme von Kapseln mit Bakterien aus dem Kot gesunder Menschen stoppt lebensbedrohliche Durchfälle in kurzer Zeit und ganz ohne Nebenwirkungen.

Dass Antibiotika mit Vorsicht zu geniessen sind, ist spätestens seit Bekanntwerden der zunehmenden Resistenzen klar. Doch die vielseitig einsetzbaren Pillen haben noch weniger bekannte, aber ebenfalls schwerwiegende Nebenwirkungen: Sie können die Darmflora schädigen. Und zwar so sehr, dass sich dort das Bakterium Clostridium difficile stark vermehren kann. Dieses scheidet Giftstoffe aus, die zu Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust führen können.

Mediziner sprechen dann von einer antibiotikaassoziierten Kolitis, einer immer wiederkehrenden Darm-Entzüngung. Um sie zu bekämpfen, versuchen Ärzte mithilfe von sogenannten Stuhl-Transplantationen im kranken Darm gesunde Bakterien anzusiedeln.

Weniger riskante Alternative

Spezialisten nennen das Mikrobiom-Transfer. Das klingt erstens weniger anrüchig und zweitens kommt es dabei auf die Mikroben in den Exkrementen an. Über die Ausscheidungen werden sie quasi dem gesunden Spender aus dem Darm entnommen, mit einer Kochsalzlösung vermengt und dem Kranken mit einem Schlauch direkt in den Darm eingeführt.

Dieses Vorgehen ist aufwändig und nicht ganz ohne Risiko. So können Infektionen die Folge sein. Doch das Prozedere könnte deutlich vereinfacht werden, berichten Mediziner um Elizabeth Hohmann vom Massachusetts General Hospital im «Journal of the American Medical Association».

Gleich mehrere Vorteile

Sie konnten in einer Pilotstudie zeigen, dass auch die Einnahme von Kapseln, die Bakterien aus dem Kot gesunder Menschen enthalten, den lebensbedrohlichen Durchfällen ein Ende setzen kann - dies innert kurzer Zeit und ohne Nebenwirkungen.

Die Hauptvorteile dieser Art der Verabreichung: Die Präparate können tiefgekühlt und damit längere Zeit gelagert werden, teilt das Spital mit. Auf diese Weise können die Pillen einem grösseren Kreis von Patienten verabreicht und zudem auf Krankheitserreger hin untersucht werden. So lässt sich das Infektionsrisiko kleinhalten.

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