Aktualisiert 16.02.2005 16:42

Krähenplage: Umstrittene Aktion nachträglich akzeptiert

Im Kanton Bern könnte die umstrittene Bekämpfung von Rabenkrähen mittels Betäubungsmittel weiter geführt werden.

Der Grosse Rat hiess am Mittwoch eine diesbezügliche Motion mit 96 zu 56 gut und schrieb sie gleichzeitig als erfüllt ab.

Die Motion von Paul Messerli (SVP/Kirchdorf) und André Lecomte (SVP/Diesse) gab dem Grossen Rat Gelegenheit, zur Bekämpfung der Überpopulation von Rabenkrähen mit Betäubungsmitteln nachträglich Stellung zu nehmen. Der Vorstoss wurde von links-grüner Seite, aber auch von Teilen der FDP, bekämpft.

Zu Gunsten der Motion wurde ausgeführt, die Rabenkrähen würden nicht nur den Ackerkulturen schwer zusetzen, sondern auch andern Vogelarten oder etwa Junghasen. Wer sich gegen die Bekämfung wende, nehme es einmal mehr in Kauf, dass die Sache auf dem Buckel der ländlichen Bevölkerung ausgetragen werde.

Walter Balmer (SVP/Rosshäusern) sagte, etwa 80 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe seien von der Krähenplage betroffen. Der Schaden könne bis 10 Prozent des Einkommens eines Betriebs ausmachen. Nur die SVP stellte sich geschlossen hinter die Aktion und damit hinter Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch (SVP).

So klappt's nicht

Von gegnerischer Seite hiess es, die Aktion sei ohnehin nicht zielführend. Es müssten 50 000 Rabenvögel vernichtet werden, um sie, und dann auch nur vorübergehend, zum Verschwinden zu bringen. Die tatsächlich erreichte Zahl von gut 1000 liege viel tiefer.

Die SP argumentierte, es hätte einer sauberen Analyse bedurft, um die Aktion zu starten. Klar sei, dass so das Problem höchstens verlagert oder vertagt werden könne. Zudem würden auch andere Tier- und Vogelarten gefährdet.

Als fragwürdig bezeichneten Andreas Rickenbacher (SP/Jens) und Hans-Jörg Pfister (FDP/Zweisimmen), dass das Parlament erst zum Zug komme, nachdem die Aktion durchgeführt und beim Volk schlecht angekommen sei. Man sei nicht bereit, sie nachträglich zu legitimieren.

Zölch: Gegen Schäden - für Artenvielfalt

Die in der Sache viel geschmähte Regierungsrätin Zölch sagte, mit der Bekämpfung der Überpopulation werde ein in der eidgenössischen Jagdverordnung enthaltener Auftrag erfüllt. Es gehe um den Schutz der Artenvielfalt und die Bekämpfung der Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen.

Die Aktion sei nach strengen Vorgaben durchgeführt worden. Es seien keine andern Arten dabei gefährdet worden. Offenbar sei es akzeptiert, gegen Ratten mit Gift vorzugehen. Sie frage sich, wo denn die Grenzen gezogen würden.

Sie erwarte nun Vorschläge ihrer Fachleute, wie man das Problem weiter angehen könne, sagte Zölch.

(sda)

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