Frauen und Gewichte: «Krafttraining ist keine Frage des Geschlechts»
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Frauen und Gewichte«Krafttraining ist keine Frage des Geschlechts»

Immer mehr Frauen stemmen Gewichte. Wie schätzt der Muskelforscher Marco Toigo diesen Trend ein? Ein Kommentar.

von
gss
Dr. Marco Toigo mahnt Frauen, sich nicht an den Trainingsfehlern männlicher Kollegen und «Youtube»-Stars zu orientieren.

Dr. Marco Toigo mahnt Frauen, sich nicht an den Trainingsfehlern männlicher Kollegen und «Youtube»-Stars zu orientieren.

Krafttraining ist keine Frage des Geschlechtes. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Frauen, prozentual zum Ausgangswert gesehen, durch ein mehrmonatiges Krafttraining etwa gleich viel Muskelmasse und -kraft gewinnen wie Männer. Muskelkraft brauchen wir alle. Gute Gesundheit auch! In diesem Sinne ist es wünschenswert, wenn auch immer mehr Frauen im Kraftraum anzutreffen sind (das gilt übrigens unter anderem auch für Senioren). Noch wünschenswerter wäre es allerdings, wenn sie die typischen Denkfehler und die daraus resultierenden Trainingsfehler ihrer männlichen Kollegen nicht wiederholen würden. In den Bereichen Training, Ernährung und Gesundheit besteht ein grosser Emanzipationsbedarf: die Befreiung aus dem Unwissen und Halbwissen, das durch unqualifizierte Facebook- und Youtube-«Athleten» oder sonstige Pseudo-Experten gefördert und inflationär verbreitet wird.

Genetik entscheidet

Aus gesundheitlicher Sicht muss das Training (genauer: jede einzelne Trainingseinheit) gekoppelt mit einer verhältnismässigen Ernährung das Ziel sein. Wie gross dann die äusserlich sichtbaren Effekte (zum Beispiel absoluter Zuwachs an Muskelmasse und Kraft) im optimalsten Fall sein werden, hängt massgeblich von den genetischen Voraussetzungen jeder Einzelnen ab. Ob und wie eine Person schliesslich die ästhetischen Auswirkungen Ihres Trainings zur Schau stellt, ist ihre Entscheidung. Klar ist, dass persönliche Erfahrungen mit Training und Ernährung nicht ohne Weiteres auf andere übertragbar und somit von vornherein nicht generalisierbar sind.

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Uniklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Hochschuldozent fur Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig.

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