Aktualisiert 10.04.2013 01:44

Weniger Wasser

Kraftwerk will Rheinfall zum Rinnsal machen

Der grösste Wasserfall Europas soll zur Stromproduktion angezapft werden. Mit dem neu geplanten Wasserkraftwerk könnte aus dem Rheinfall bei Nacht ein Mini-Wasserfall werden.

von
bee

Er ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Schweiz. Tausende Besucher aus der ganzen Welt zieht der Rheinfall bei Neuhausen jährlich an. Jetzt droht der grösste Wasserfall Europas zu einem Mini-Wasserfall zu verkommen.

Die Rheinkraftwerke Neuhausen AG planen ein neues Wasserkraftwerk am Rheinfall. Bis zu einem Fünftel weniger Wasser würden dann über die Felsen stürzen. «Der Rheinfall ist ein einmalig attraktiver Standort für ein Wasserkraftwerk», sagt Martin Steiger, Verwaltungsratspräsident der Rheinkraftwerke Neuhausen AG, gegenüber der Nachrichtensendung «10vor10». Doch wolle er den Rheinfall auf «keinen Fall trockenlegen».

Steiger ist sich bewusst, dass die entnommene Wassermenge den touristischen Wert nicht zu stark schmälern dürfe. Deshalb kann er sich auch vorstellen, dass bei Nacht mehr Strom produziert werden könnte. Dass das stolze Wahrzeichen dabei zu einem Mini-Rheinfall wird, muss auch Steiger eingestehen. «Bei Nacht gibt es aber auch kaum Touristen am Rheinfall.»

Gewässerschützer empört über die Ausbaupläne

Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission hat bereits grünes Licht gegeben, einen Fünftel des Wassers des Rheinfalls anzuzapfen. Damit hat das Projekt die erste wichtige Hürde genommen. «Die Kommission geht davon aus, dass eine vertretbare gesamthafte Entnahmemenge von 20 Prozent des Mittelwasserabflusses nicht übersteigen sollte, damit der Erlebniswert nicht geschmälert wird», schreibt sie zum Projekt der Mehrnutzung des Rheinfalls und den Ausbauplänen der Rheinkraftwerke Neuhausen.

Doch jetzt regt sich Widerstand. Stefan Kunz von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva-Rheinaubund ist empört über die Pläne: «Für uns ist der Rheinfall absolut unantastbar, es handelt sich um ein einmaliges Naturdenkmal», so Kunz gegenüber «10vor10». «Wir müssen uns wirklich fragen, ob wir den Rheinfall für die Stromproduktion opfern wollen.» Den grössten Wasserfall Europas anzuzapfen sei ein «absoluter Tabubruch», so der Gewässerschützer.

Damit das Projekt gebaut werden kann, muss der Kanton Schaffhausen den Rheinschutz lockern. Die Vorlage kommt in den nächsten Wochen vor das Schaffhauser Parlament.

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