Kuriose Missgeschicke: Kramer und die Liga der Eigentor-Könige

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Kuriose MissgeschickeKramer und die Liga der Eigentor-Könige

Mit seinem 45-Meter-Eigentor hat sich Gladbachs Christoph Kramer in einen Kreis von Spielern mit zweifelhaftem Ruhm geschossen. Seine Vorgänger im Überblick.

von
kai

Vom «Eigentor des Jahres» war die Rede, manche Medien schrieben etwas hochtrabend gar vom «Eigentor des Jahrhunderts». Keine Frage, der Aussetzer von Gladbachs Weltmeister Christoph Kramer, der Goalie Yann Sommer aus 45 Metern überlobbte und damit die 0:1-Niederlage gegen Dortmund besiegelte, hat einen Platz in den Jahresrückblicken auf sicher.

Sein Treffer schafft es in verschiedenen Eigentor-Ranglisten aber kaum nach ganz oben, ob das Hauptkriterium nun Kuriosität, Schönheit oder einfach nur Dummheit ist. Denn die Konkurrenz ist gewaltig.

Volley, Bogenlampe, Distanzschuss

Natürlich darf einer in dieser Aufzählung nicht fehlen: Milan Gajic. Im vergangenen Juli wuchtete der YB-Spieler in St. Gallen einen Ball spektakulär in den Winkel des eigenen Tors (Video oben). Die Internetgemeinde freuts: Das Traum-Eigentor hat auf Youtube schon 1,5 Millionen Klicks gesammelt.

Als Gajic noch nicht einmal geboren war, sorgte ein Verteidiger von Bayern München für Schlagzeilen. Helmut Winklhofer erzielte im August 1985 gegen Bayer Uerdingen ein wunderbares Eigentor per Weitschuss, das von den ARD-Zuschauern als erstes seiner Art zum «Tor des Monats» gewählt wurde. Der Unglücksrabe weigerte sich allerdings, die Medaille in der «Sportschau» entgegenzunehmen.

Wäre der Ball im richtigen Tor gelandet, hiesse der Schütze wohl Zlatan Ibrahimovic. Stattdessen trägt er den Namen Franck Queudrue und spielte im April 2001 für Lens, als er sich gegen Bastia mit einer Volley-Bogenlampe aus rund 35 Metern in den Fussball-Annalen verewigte.

Freunde des Absatzes

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren immer wieder eindrücklich demonstriert, über welch aussergewöhnliche Technik sie verfügen. Das tat im September 2011 in der Qualifikation zur U21-EM auch Verteidiger Iñigo Martínez. Nach einem Abschlag des georgischen Goalies überlobbte er den heutigen ManUnited-Keeper David De Gea aus über 35 Metern per Absatz. Gut führte seine Mannschaft da bereits 6:0.

Genauso bemerkenswert traf ein Weilchen vor Martínez Gladbachs Joachim Stadler ins eigene Tor. Im November 1993 gegen Kaiserslautern versorgte er den Ball mit dem Absatz über seinen Rücken und Goalie Uwe Kamps im eigenen Netz. Nach seinem Missgeschick völlig neben den Schuhen, wurde der Verteidiger in der 23. Minute ausgewechselt.

Irgendwo auf der Welt, in irgendeiner Liga – spielt ja auch keine Rolle – ereignete sich folgende Szene, die gute Chancen hätte, zum schönsten Eigentor der Geschichte gekürt zu werden. Aber sehen Sie selbst.

Kurios oder einfach nur kläglich

Natürlich finden sich unter den Dutzenden Eigentoren nicht nur schöne, einige sind einfach nur dämlich. Mit Sicherheit in diese Kategorie gehört dieser unentschlossene Goalie aus Asien, der sich das Ei beim Auswurf ins eigene Nest legt.

Ähnlich dämlich stellte sich einst Pavol Durica an. Im ungarischen Cup-Viertelfinal 2008 gegen Debrecen begrub der Videoton-Spieler sämtliche Hoffnungen seiner Teamkollegen auf eine Wende. Kurz vor Schluss, es stand 1:2, parierte der Goalie von Videoton einen Penalty. Im Bestreben, dem Schützen keinen Nachschuss zu ermöglichen, schlug Durica den Ball weg – via Pfosten ins eigene Tor.

Ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckerte sich Wayne Hatswell von den Forest Green Rovers im November 2000. Im FA-Cup-Match gegen Morecambe zimmerte er den aufs eigene Tor zurollenden Ball aus nächster Nähe in den Winkel.

Zu guter Letzt ein absoluter Klassiker aus dem Jahr 2006: Im Spiel gegen Darlington missriet Bury-Verteidiger Chris Brass ein Überkopf-Klärungsversuch. Er traf sich selber im Gesicht, von wo der Ball abprallte und am Goalie vorbeisegelte. Die Bilanz der vielleicht witzigsten Rettungsaktion: Eigentor und Nasenbeinbruch.

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