Lieber Phil Geld: Krank in der Probezeit – gibt es trotzdem Lohn?
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Lieber Phil GeldKrank in der Probezeit – gibt es trotzdem Lohn?

Barbara (27) wurde während der Probezeit krank. Hat sie Anspruch auf Lohn?

In der Probezeit besteht bei Krankheit kein Anspruch auf Lohn. (Bild: Colourbox)

In der Probezeit besteht bei Krankheit kein Anspruch auf Lohn. (Bild: Colourbox)

Lieber Phil Geld

Ich habe vor rund einem Monat eine neue Stelle angetreten. Nun hat es mich leider ausgerechnet während der dreimonatigen Probezeit eiskalt erwischt. Ich liege seit bald zwei Wochen krank im Bett. Da ich zurzeit etwas knapp bei Kasse bin, frage ich mich, ob ich denn trotz Krankheit während der Probezeit Lohn von meinen Arbeitgeber erhalten werde?

Liebe Barbara

Kann ein Arbeitnehmer wegen einer Erkrankung, eines Unfalls oder Militär-/Zivildienstes seine Arbeitsleistung nicht erbringen, hat der Arbeitgeber ihm den Lohn für eine gewisse Zeit weiterzubezahlen. Das allerdings nur, wenn das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei Monate eingegangen worden ist. Folglich kann ein Arbeitsverhältnis vor Ablauf der ersten drei Monate durch Kündigung beendet werden. Das ist bei Vereinbarung einer Probezeit stets der Fall. Da dann grundsätzlich eine Kündigungsfrist von sieben Tagen gilt, beginnt die gesetzliche Lohnfortzahlungspflicht gemäss Art. 324a OR erst am ersten Tag des vierten Anstellungsmonats. Vertraglich können Arbeitgeber und Arbeitnehmer allerdings eine abweichende beziehungsweise eine für den Arbeitnehmer günstigere Vereinbarung treffen.

Da du während der vereinbarten dreimonatigen Probezeit krank wurdest und das Arbeitsverhältnis noch keine drei Monate gedauert hat, muss dir dein Arbeitgeber für die Zeit, in der du wegen Krankheit abwesend warst, keinen Lohn entrichten. Zudem verlängert sich die Probezeit aufgrund deiner krankheitsbedingten Abwesenheit während der Probezeit um die entsprechende Zeit.

Allfällige Ansprüche aus einer abgeschlossenen Krankentaggeldversicherung sind unabhängig von der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Denn der Arbeitgeber ist von Gesetzes wegen nicht zum Abschluss einer Krankentaggeldversicherung verpflichtet. Nur in bestimmten Fällen ist er durch einen Normalarbeitsvertrag (NAV) oder einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche dazu verpflichtet. Grundsätzlich aber sind die Arbeitgeber frei in der Entscheidung, ob sie eine Krankentaggeldversicherung für ihre Arbeitnehmer abschliessen wollen, um deren soziale Sicherheit zu verbessern sowie deren Risiko zur Lohnfortzahlung zu decken.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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