Virus-Verdacht: Kranke Katze stirbt, nachdem Klinik sie ablehnt
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Virus-VerdachtKranke Katze stirbt, nachdem Klinik sie ablehnt

Eine 25-jährige Muttenzerin wollte ihre zwei kranken Tiere retten. In Laufen wurden die Katzen überwiesen und in Tenniken abgelehnt. Nun ist eine von ihnen tot.

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Die im Juli adoptierten Katzen Brownie (oben) und Pancake (unten) waren über fünf Monate lang fröhlich und gesund. Bis sie am vergangenen Freitag plötzlich erkrankten.

Die im Juli adoptierten Katzen Brownie (oben) und Pancake (unten) waren über fünf Monate lang fröhlich und gesund. Bis sie am vergangenen Freitag plötzlich erkrankten.

zvg
Hier war noch alles gut. Die 25-jährige Muttenzerin posiert mit Brownie.

Hier war noch alles gut. Die 25-jährige Muttenzerin posiert mit Brownie.

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Brownie frass plötzlich nichts mehr und bewegte sich sehr träge. Auch begann er sich in eine Ecke zurückzuziehen. Seine Besitzerin hatte Angst und wollte ihn und Pancake behandeln lassen.

Brownie frass plötzlich nichts mehr und bewegte sich sehr träge. Auch begann er sich in eine Ecke zurückzuziehen. Seine Besitzerin hatte Angst und wollte ihn und Pancake behandeln lassen.

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Im Juli adoptierte eine junge Frau aus Muttenz zwei acht Wochen alte Katzen beim Tierschutz beider Basel. Die 25-Jährige freute sich über die beiden getigerten Fellknäuel. Fünf Monate später ist eines der beiden Tiere tot, das andere dem gleichen Schicksal nur knapp entronnen.

Am vergangenen Freitag erkrankten die Katzen Brownie und Pancake. «Sie frassen nichts mehr und bewegten sich sehr träge», erzählt die Halterin. Am Samstag brachte sie die Tiere ins Tier- und Gesundheitszentrum in Laufen. Dort leistete man erste Hilfe mit Infusionen und Antibiotika. Schliesslich durften sie wieder nach Hause.

Keine Besserung

Am Sonntag ging es den Katzen wieder schlechter. Pancake hatte Durchfall und Brownie begann, sich schwer atmend in eine Ecke zurückzuziehen. «Das machen Katzen, die sterben», sagt die Muttenzerin betroffen. Umgehend brachte sie die Tiere wieder nach Laufen. Dort sah man sich aber ausserstande, ihnen zu helfen. Stattdessen wurde die Besitzerin an das Tierüberweisungszentrum (TÜZ) in Tenniken verwiesen. Der Verdacht: Die Katzen seien mit dem Calicivirus infiziert.

Dieser ist für Katzen lebensgefährlich und zudem hoch ansteckend. Das Zürcher Tierspital musste deswegen kürzlich Neuaufnahmen einstellen. Aufgrund des brisanten Verdachts schrillten in Tenniken die Alarmglocken. Zwar war aus Zürich zugesichert worden, dass eine Infektion mit dem Calicivirus sehr unwahrscheinlich sei, jedoch nicht von ärztlicher Seite, so die verantwortliche TÜZ-Ärztin Christine Wacker.

Quarantänefall

Um zu verhindern, dass sich die restlichen Tiere im TÜZ anstecken, sollte es sich dennoch um das Calicivirus handeln, wies Wacker die Katzen ab. Deren Besitzerin verstand die Welt nicht mehr. «Sie waren knallhart und wollten nicht mit mir diskutieren», klagt sie. Für Wacker ist der Fall aber klar: «Eine Unterbringung der Tiere ausserhalb einer Isolationsstation wäre fahrlässig.»

Eine solche stehe aber nur im Tierspital Bern zur Verfügung, erklärt die Ärztin. Sie habe sich auch mit der hauptstädtischen Klinik in Verbindung gesetzt, um eine Aufnahme vorzubereiten. «Ich selbst frage mich, warum ist sie mit den beiden Katzen nicht nach Bern gefahren?», sagt Wacker.

Bern keine Option

Für die Besitzerin der Katzen kam dies aber nicht in Frage: «Ich war mit den Nerven am Ende. Die Katzen hatten schon Stunden im Auto verbracht und weder gefressen noch getrunken. Sie lagen im Sterben», sagt sie.

Stattdessen fand sie über den tierärztlichen Notfalldienst eine Praxis in Basel, die sich der Katzen annahm. Seit der zweiten Untersuchung in Laufen waren inzwischen viereinhalb Stunden vergangen. Dem behandelnden Arzt gelang es, Pancake zu stabilisieren. Für Brownie kam die Hilfe aber zu spät: Er verstarb am Sonntag kurz vor 22 Uhr.

Trauer und offene Fragen

Die 25-Jährige trauert nun um ihren Kater und erhebt Vorwürfe gegen das TÜZ. Dieses habe die Behandlung der Katzen verweigert. Das TÜZ hingegen kontert, dass es kaum sinnvoll gewesen wäre, das Leben zahlreicher Katzen zu riskieren, indem man die zwei verdächtigen Tiere aufgenommen hätte. Laut der «Basler Zeitung» hat die Mutter der Muttenzerin die Ombudsstelle der Gesellschaft der Schweizer Tierärzte eingeschaltet.

Ob die Vorsichtsmassnahmen des TÜZ begründet waren, wird sich anhand der Autopsie von Brownie zeigen. Der behandelnde Basler Arzt vermutet jedoch Peritonitis oder einen Parvovirus, nicht den Calicivirus. Immerhin hat Pancake das Schlimmste überstanden und konnte am Dienstagabend wieder nach Hause.

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