19.06.2015 11:06

StudieKranke sollen Schweizer Tourismus retten

Spätestens seit der Aufhebung des Euromindestkurses steckt der Tourismus in der Krise. Nun soll der Gesundheitstourismus die Branche zum Erfolg zurückführen.

von
J. Büchel
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Gesundheitstourismus soll den Patienten Hotellerie heilen.

Gesundheitstourismus soll den Patienten Hotellerie heilen.

Keystone/Andree-noelle pot
Spätestens seit der Aufhebung des Euromindestkurses sind die Perspektiven für den Schweizer Tourismus garstig. (Ausflugsrestaurant am Wolfgangpass bei Davos am Dienstag, 13. Mai 2014).

Spätestens seit der Aufhebung des Euromindestkurses sind die Perspektiven für den Schweizer Tourismus garstig. (Ausflugsrestaurant am Wolfgangpass bei Davos am Dienstag, 13. Mai 2014).

Arno Balzarini
Die Beherbergungsstatistik zeigt für den März 2015 eine Abnahme der Logiernächte um 7,4 Prozent. Insgesamt wurden 3 Millionen Logiernächte gezählt, was gegenüber März 2014 einer Abnahme von 239'000 entspricht.

Die Beherbergungsstatistik zeigt für den März 2015 eine Abnahme der Logiernächte um 7,4 Prozent. Insgesamt wurden 3 Millionen Logiernächte gezählt, was gegenüber März 2014 einer Abnahme von 239'000 entspricht.

Christian Beutler

Burn-out-Patienten statt Skifahrer, Reha-Patienten statt Wanderer: So sieht einer der Lösungsansätze für die Tourismuskrise laut einer am Mittwoch publizierten Branchenstudie des Beratungsunternehmens Deloitte aus.

Für die Analyse wurden Eigentümer und Manager von 32 Hotelbetrieben aus der Luxus- und Ferienhotellerie befragt. Der Grossteil von ihnen gab an, dass der Gesundheitstourismus die negativen Erwartungen bei den Gästezahlen kompensieren könnte.

Im Blick haben die Luxushotelliers einerseits Reha- und Burn-out-Patienten, andererseits auch Reisende, die eine Schönheitsoperation oder einen umfassenden Gesundheitscheck machen wollen. Grösstes Potenzial sehen denn die Befragten im Bereich Rehabilitation nach Operationen (48 Prozent), gefolgt von Spa-Angeboten (25 Prozent) und Schönheitsdienstleistungen (10 Prozent).

Christoph Juen, CEO vom Branchenverband Hotelleriesuisse ist von den Möglichkeiten des Gesundheitstourismus überzeugt: Die Schweiz biete Spitzenmedizin. Gut betuchte ausländische Patienten liessen sich gerne in der Schweiz behandeln. «Die Vorbereitung, der Eingriff sowie die Rehabilitation, zusammen mit den begleitenden Familienmitgliedern generieren Übernachtungen und touristische Wertschöpfungen», sagt Juen.

Hohe Investitionen

Aufgrund der demografischen Entwicklung rechnen die Studienautoren mit immer mehr chronisch Kranken. «Unter diesen gibt es zahlungskräftige Gäste, die trotz Krankheit gerne in die Ferien gehen und die hohe Schweizer Qualität schätzen», so Stefan Lagana, Leiter Hotellerie bei der Studienverfasserin Deloitte.

Für qualitativ hochstehenden Gesundheitstourismus muss allerdings in die Infrastruktur investiert werden und Fachpersonal gewonnen werden. «Das dürfte nicht ganz einfach sein, weil im Gesundheitssektor Fachkräftemangel herrscht», so Lagana. Zudem müssten Hoteliers, die auf die Karte Gesundheit setzten, mit hohen Investitionen für Um- und Neubauten rechnen. 15 Prozent der Studienteilnehmer planen bereits bauliche Massnahmen für ihr Gesundheitsangebot.

Neues Gütesiegel

Erfolgreich umgesetzt wird Gesundheitstourismus bereits im Grand Ressort Bad Ragaz, wo Dienstleistungen von Augenoperationen über Brustvergrösserungen bis hin zu Zahnkorrekturen angeboten werden. 2017 soll das Bürgenstock Resort über dem Vierwaldstättersee eröffnet werden. Dieses setzt bewusst auf Gesundheitstourismus und wirbt auf seiner Website bereits mit Dienstleistungen für Burn-out-Patienen und Reha-Angeboten.

Hotelleriesuisse führt für den Gesundheitstourismus das neue Label «Medical Wellness» ein. Die Nachfrage bei den Schweizer Hoteliers nach dem Gütesiegel ist gross, wie Hotelleriesuisse mitteilt. «Viele Betriebe melden sich bei uns, weil sie möglichst bald das Label benutzen wollen. Auch Kliniken kommen auf uns zu, um zu erfahren, wie sie 'Medical Wellness' Hotel werden können.»

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