Im Internet bestellt : Kranke Welpen überfluten das Tierspital
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Im Internet bestellt Kranke Welpen überfluten das Tierspital

Zurzeit behandelt das Tierspital Zürich viele Welpen in elendem Zustand. Sie gehören Haltern, die Hundehändlern im Internet auf den Leim gekrochen sind.

von
Bettina Zanni
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Im Tierspital werden zurzeit viele kranke oder verstörte Welpen behandelt.

Im Tierspital werden zurzeit viele kranke oder verstörte Welpen behandelt.

©2020 Vetsuisse-Fakultät, UZH / M.A.Oesch
«So in der Schweiz angekommen, geht es nicht mehr lange, bis notfallmässig eine Tierklinik aufgesucht wird», schreibt das Zürcher Tierspital.

«So in der Schweiz angekommen, geht es nicht mehr lange, bis notfallmässig eine Tierklinik aufgesucht wird», schreibt das Zürcher Tierspital.

©2020 Vetsuisse-Fakultät, UZH / M.A.Oesch
«Zurzeit haben wir eine Flut von erkrankten Welpen als Folge des Corona-Welpenbooms», vermeldete das Tierspital Zürich in einem Facebook-Post.

«Zurzeit haben wir eine Flut von erkrankten Welpen als Folge des Corona-Welpenbooms», vermeldete das Tierspital Zürich in einem Facebook-Post.

©2021 Jeanne Peter Zocher

Darum gehts

  • Das Zürcher Tierspital kämpft mit einer Flut von kranken Welpen.

  • Da der Lockdown die Zuchtaktivität der Schweizer Hundezüchter einschränkte, kauften einige Schweizer Welpen im Internet.

  • «Der Verkauf von Welpen aus ausländischen Massenvermehrungszuchten bereitet uns extrem Sorgen», sagt Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz.

Das Zürcher Tierspital schlägt Alarm. «Zurzeit haben wir eine Flut von erkrankten Welpen als Folge des Corona-Welpenbooms», schrieb das Spital kürzlich in einem Facebook-Post. Weil viele Menschen im Homeoffice arbeiteten, sei die Nachfrage nach Hunden, insbesondere nach den «Topsellern» Zwergspitz und Französische Bulldogge, sehr gross.

Doch anstatt sich bei Schweizer Züchtern einen Hund zu holen, bestellten sie die Tiere über das Internet. Dazu kam es laut dem Tierspital, weil der Lockdown im Frühjahr die Zuchtaktivität zusätzlich stark einschränkte und bei seriösen Züchtern auch zu normalen Zeiten Wartezeiten bestehen. Zudem wählten die Züchter ihre zukünftigen Welpenbesitzer in der Regel sehr sorgfältig aus.

«Viele kranke oder verstörte Welpen»

Im Tierspital werden deshalb zurzeit viele kranke oder verstörte Welpen behandelt. Auch haben sie laut dem Post weder lebenswichtige Impfungen erhalten noch wurden sie entwurmt. «So in der Schweiz angekommen, geht es nicht mehr lange, bis notfallmässig eine Tierklinik aufgesucht wird.»

Den schlechten Gesundheitszustand der Tiere begründet das Tierspital mit ihrer Herkunft. «Die Welpen stammen aus Massenzuchtanlagen, wo sie unter verwahrlosten Umständen aufwachsen und viel zu früh, mit nur wenigen Wochen, von der Mutter abgesetzt werden.» Meist würden diese Tiere über unseriöse Händler via Internet angeboten.

Süsse Hündchen würden «wie Ware» angeboten

Dem Schweizer Tierschutz (STS) ist das Problem bekannt. «Der Verkauf von Welpen aus ausländischen Massenvermehrungszuchten bereitet uns extrem Sorgen», sagt Mediensprecherin Helen Sandmeier. Es gebe im Internet lauter Websites, die süsse Hündchen «wie Ware» zum Bestellen anböten. «Den Anbietern, meist stammen sie aus Osteuropa, geht es nur darum, die Hunde möglichst schnell zu verkaufen.»

Die Halter seien mit den Tieren in der Schweiz schnell überfordert, sagt Sandmeier. «Entweder weil die Tiere oft krank sind oder die Halter ohnehin einen unüberlegten Schnellkauft tätigten und gar keine Zeit für das Tier haben.» Den Welpenhändlern das Handwerk zu legen, beurteilt Sandmeier als schwierig. «Oft schmuggeln sie die Tiere über die Grenze.» Andere würden die Welpen legal in die Schweiz einführen, weil sie die nötigen Papiere vorweisen könnten.

«Drama beginnt beim Tierarztbesuch»

Passieren die Hunde illegal die Grenze, beginnt laut Sandmeier oft beim ersten Tierarztbesuch das Drama für den Hundebesitzer und den Hund. Das Tier werde vom Veterinäramt beschlagnahmt. Innerhalb von zehn Tagen müsse der Besitzer nachweisen können, dass das Tier aus einem tollwutfreien Land stamme. «Andernfalls muss es im Herkunftsland in Quarantäne oder wird eingeschläfert.» Wer einen Hund haben wolle, solle deshalb unbedingt von Käufen im Internet absehen.

Auch das Tierspital bittet eindringlich: «Augen auf beim Welpenkauf». Wer Kontakt mit einem vermeintlichen Welpenhändler gehabt habe und nähere Angaben machen könne, solle dies dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, dem Tierarzt oder der Polizei melden.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

Deine Meinung

160 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Vergissmeinicht

14.02.2021, 21:31

Ich bete jeden Tag das ich meine tief geliebte Katze überleben darf

Gesetzwidrig

14.02.2021, 21:24

Tiere werden über die Grenzen geschmuggelt Dank der EU offene Grenzen viele kommen für die Forschung müssen für uns Menschen Leiden wie Brutal die Menschheit ist

Respektlos

14.02.2021, 21:13

Leider gibt es Menschen die keine Achtung vor Menschen noch vor Tieren haben mich macht das unendlich sehr traurig