23.08.2019 13:04

VersicherungKrankenkasse soll Medis aus dem Ausland zahlen

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für im Ausland gekaufte Medikamente in der Regel nicht. Das soll sich ändern, fordern Politiker und der Preisüberwacher.

von
rkn
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Krankenkassen übernehmen normalerweise die Kosten für Medikamente, die im Ausland gekauft wurden, nicht.

Krankenkassen übernehmen normalerweise die Kosten für Medikamente, die im Ausland gekauft wurden, nicht.

Barbara Gindl
Im Ständerat ist derzeit eine Motion von SP-Nationalrätin Bea Heim hängig, die beantragt, dass der Bundesrat das ändert.

Im Ständerat ist derzeit eine Motion von SP-Nationalrätin Bea Heim hängig, die beantragt, dass der Bundesrat das ändert.

Keystone/Anthony Anex
Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans schreibt in einem aktuellen Blogeintrag: «Räumt den Patienten, die helfen wollen Kosten zu sparen, die Steine aus dem Weg.» Er hoffe, dass der Ständerat im Sinne der Patienten und Prämienzahler entscheidet.

Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans schreibt in einem aktuellen Blogeintrag: «Räumt den Patienten, die helfen wollen Kosten zu sparen, die Steine aus dem Weg.» Er hoffe, dass der Ständerat im Sinne der Patienten und Prämienzahler entscheidet.

Keystone/Alessandro Della Valle

Manch ein Medikament kostet in der Schweiz mehr als doppelt so viel wie ennet der Grenze. Trotzdem lohnt es sich für Schweizer oft nicht, Arzneimittel im Ausland zu kaufen, weil die Krankenkasse diese Kosten nicht übernimmt. Es gilt das Territorialitätsprinzip: Laut Krankenversicherungsgesetz ist es den Versicherern verboten, für im Ausland gekaufte Medikamente zu bezahlen.

Seit langem wird das Gesetz kritisiert, das Versicherte praktisch zwingt, teurere medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Im Ständerat ist derzeit eine Motion hängig, die beantragt, dass der Bundesrat das Territorialitätsprinzip abschafft. Der Nationalrat hat sie bereits angenommen.

Preisüberwacher will Gesetzesanpassung

Nun erhält die Motion weitere Unterstützung: Der Preisüberwacher Stefan Meierhans schreibt in einem aktuellen Blogeintrag: «Räumt den Patienten, die helfen wollen Kosten zu sparen, die Steine aus dem Weg.» Er hoffe, dass der Ständerat im Sinne der Patienten und Prämienzahler entscheidet.

Doch was sind eigentlich die Argumente, die für die Abschaffung des Territorialitätsprinzips sprechen? Und warum gibt es Widerstand? Eine Übersicht:

Das spricht für die Abschaffung:

• Gesundheitskosten: Viele medizinische Produkte sind im Ausland günstiger als in der Schweiz. Das könnte laut Meierhans die Krankenkassen entlasten. Wenn etwa die Hepatitis-C-Medikamente im Ausland 1500 statt 30'000 Franken kosten, dürfte das auch den Versicherer freuen.

• Preise: Würden Krankenkassen die Kosten von Medikamenten aus dem Ausland tragen, könnte das dazu führen, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz mittelfristig sinken, schreibt der Preisüberwacher: «Eine hochwillkommene Nebenwirkung.»

• Qualität: Internationale Konkurrenz könnte die Gesundheitswirtschaft zu mehr Effizienz und Transparenz anspornen, sagt Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly von Comparis: «Vor Konkurrenz geschützte Anbieter werden träge, ineffizient und qualitativ schlecht, weil die Konsumenten nicht zu besseren Anbietern im Ausland wechseln können.»

• Auswahl: Schweizer hätten mehr Möglichkeiten bei der Medikamentenbeschaffung, ohne dass sie dafür aus der eigenen Tasche zahlen müssten. Der Preisüberwacher hält fest: «Es geht um die haargenau gleichen, sicheren Produkte und es würde auch niemand gezwungen, sie im Ausland zu kaufen.» Es gehe lediglich darum, dass man dürfe.

Darum gibt es Widerstand:

• Profit: «Die hiesige Gesundheitswirtschaft profitiert vom Vertragszwang mit den Kassen sowie von staatlich garantierten Tarifen und Preisen», sagt Schneuwly von Comparis. Die Aufhebung des Territorialitätsprinzips würde das Ende dieser Privilegierung bedeuten. Laut dem Verband Interpharma verursacht der Parallelimport in der EU der Pharmaindustrie 2 Milliarden Euro Verlust pro Jahr. Das Gesundheitswesen spare hingegen lediglich 400 Millionen Euro.

• Fälschungen: Interpharma warnt vor Fälschern: «Parallelimporte ermöglichen Medikamentenfälschern, in etablierte und sichere Vertriebskanäle einzudringen.» Dies, weil die Schweizerische Zulassungsbehörde Swissmedic Arzneiimporte nicht flächendeckend prüfen könne. Im Gegensatz zur Schweiz komme es in Europa immer wieder vor, dass gefälschte Arzneimittel auftauchten. Das gefährde die Patientensicherheit.

• Engpässe: Erfahrungen in anderen Ländern haben laut Interpharma gezeigt, dass es zu Versorgungsengpässen kommen kann, wenn der Parallelimport von Medikamenten erlaubt wird. Dies, weil es den Importeuren nur um die Marge gehe – sollte die sinken, würden plötzlich weniger Produkte importiert.

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