Konversionstherapie: Krankenkasse zahlt für «Heilung» Homosexueller
Aktualisiert

KonversionstherapieKrankenkasse zahlt für «Heilung» Homosexueller

Ein Selbstversuch zeigt, wie einfach zugänglich «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität sind. Sogar die Krankenkasse spielt mit.

von
mm
1 / 11
In einem Selbstversuch deckt das Magazin «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich sogenannte Konversionstherapien – «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität – sind und mit welchen «Methoden» gearbeitet wird.

In einem Selbstversuch deckt das Magazin «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich sogenannte Konversionstherapien – «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität – sind und mit welchen «Methoden» gearbeitet wird.

Keystone/Melanie Duchene
Das Magazin schleuste einen jungen schwulen Mann als Testperson beim anerkannten Psychiater Lukas Kiener in Küssnacht ein, der diese «Therapie» sogar über die Krankenkasse abrechnet.

Das Magazin schleuste einen jungen schwulen Mann als Testperson beim anerkannten Psychiater Lukas Kiener in Küssnacht ein, der diese «Therapie» sogar über die Krankenkasse abrechnet.

G-stockstudio
In der Gesprächstherapie erklärt der Psychiater dann sein Vorgehen. Er wolle Rollenvorbilder analysieren und schauen, ob der Klient sexuell missbraucht worden sei.

In der Gesprächstherapie erklärt der Psychiater dann sein Vorgehen. Er wolle Rollenvorbilder analysieren und schauen, ob der Klient sexuell missbraucht worden sei.

Keystone/Melanie Duchene

In einem Selbstversuch deckt das Magazin «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich sogenannte Konversionstherapien – «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität – sind und mit welchen «Methoden» gearbeitet wird. Das Magazin schleuste einen jungen schwulen Mann als Testperson beim anerkannten Psychiater Lukas Kiener in Küssnacht ein, der diese «Therapie» sogar über die Krankenkasse abrechnet.

«Man muss ganz Mann sein, dann wird das andere Geschlecht interessant»

Im April habe die Testperson und ihre Begleiterin, eine «Gesundheitstipp»-Redaktorin, nach monatelangen Bemühungen endlich einen Termin beim Innerschweizer Psychiater bekommen.

In der Gesprächstherapie erklärt der Psychiater dann sein Vorgehen. Er wolle Rollenvorbilder analysieren und schauen, ob der Klient sexuell missbraucht worden sei. Zudem arbeite er mit der EMDR-Methode, mit der in der Regel traumatisierte Menschen wie Kriegsveteranen therapiert würden. Ausserdem habe der Psychiater seinen Klienten vorab gebeten, Fotos von Männern, die ihm gefielen, mitzubringen. Es dürften durchaus auch pornografische Bilder sein. Kieners Begründung: «Wir schauen zusammen an, was Ihnen an dem Mann gefällt. Denn das fehlt Ihnen selbst.» Man müsse nämlich «ganz Mann» sein, sich ganz im eigenen Geschlecht wohlfühlen, dann werde das andere Geschlecht auch interessant.

Krankenkassen bezahlen «Therapiesitzungen»

Laut dem Psychiater werde die Therapie mindestens zwei Jahre dauern, wobei am Anfang jede Woche eine Sitzung notwendig sei. Die ersten 40 Sitzungen übernehme die Krankenkasse, danach müsse ein Antrag gestellt werden. Dies sei aber unproblematisch: «Solche Anträge verlängern die Kassen eigentlich immer», so Kiener zum Klienten.

Fachleute zeigen sich entsetzt

«Homosexualität zu behandeln, ist ethisch in keiner Weise vertretbar», sagt «Gesundheitstipp»-Psychologe Henri Guttmann. Er wirft Kiener «seelische Misshandlung» von Klienten vor. Fachleute sind sich einig, dass solche Konversionstherapien gefährlich sind. «Daraus können grosse Verzweiflung und Probleme mit dem Selbstwertgefühl entstehen», schreibt Matthias Jäger, Direktor der Erwachsenenpsychiatrie in Baselland in einem Fachmagazin. Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Krankheiten, «die nicht selten auch zu Selbstverletzungen und Suizid führen», könnten dadurch entstehen. Kiener wollte sich laut dem Magazin nicht zur Kritik äussern.

Verbot von Konversionstherapien gefordert

Der Verband Pink Cross fordert dringende politische Massnahmen, um Homo-Heilungen endlich zu stoppen. «Wir alle zahlen mit unseren Krankenkassenprämien für «Behandlungen», die nicht nur unnütz sind, sondern grossen Schaden bei den Betroffenen anrichten. Das kann doch nicht legal sein», sagt Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, weshalb die Politik und Ärztevereinigungen nicht weiterhin die Augen vor der Realität verschliessen dürften. «Der Bundesrat ist gefordert, diese schlimmen «Therapien» endlich zu stoppen.»

Diese Forderung deckt sich mit der Ende Juni eingereichten Motion von BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti und SP-Nationalrat Angelo Barrile. Sie beauftragten den Bundesrat, die sogenannten Konversionstherapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung von Kindern und Jugendlichen zu verbieten. Pink Cross startet heute zusätzlich eine Petition.

Gegenwärtige Rechtslage

Wer Schwule mit einer Psychotherapie umpolen wolle, begehe «eine Verletzung der Berufspflichten», schrieb der Bundesrat in einem Bericht. So können Behörden Therapeuten, die derartige Behandlungen durchführen, die Bewilligung entziehen. Ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien gibt es nicht.

Deine Meinung