Telefonmarketing: Krankenkassen machen weiter Telefonterror
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TelefonmarketingKrankenkassen machen weiter Telefonterror

Mehr als jeder Zweite hat seit Anfang Jahr einen Werbeanruf für einen Kassenwechsel erhalten – auch mit Sterneintrag im Telefonbuch.

von
whr
Erhält man einen Werbeanruf, bleibt es oft nicht bei einem einzigen Telefonat. (colourbox.com)

Erhält man einen Werbeanruf, bleibt es oft nicht bei einem einzigen Telefonat. (colourbox.com)

57 Prozent von 1200 vom Marktforschungsinstitut GfK im Juli befragten Personen haben seit Anfang Jahr von Kassen oder Telefonmarketing-Firmen Anrufe erhalten. Dies teilte der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch mit, in dessen Auftrag die Umfrage durchgeführt wurde.

Unter den gegen 700 laut der Umfrage angerufenen Personen waren aber auch solche, die im Telefonbuch zum Schutz gegen unerwünschte Telefonwerbung ein Sternchen neben ihren Namen hatten setzen lassen. Gemäss dem seit 1. April geltenden Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) handeln Firmen unlauter, wenn sie jemanden mit Sterneintrag zu Werbezwecken anrufen.

Erhält man einen Werbeanruf, bleibt es oft nicht bei einem einzigen Telefonat. Von den Befragten, die per Telefon von einer Kasse oder einem Makler kontaktiert worden sind, gibt jeder Zweite an, drei oder mehr Anrufe erhalten zu haben.

Zwei Kassen sind besonders eifrig

comparis.ch hat auch untersucht, wer für die Werbeanrufe verantwortlich ist. 31 Prozent der Befragten, die ein Werbeanruf zur Grundversicherung erhalten haben, geben an, dass eine Krankenkasse sie kontaktiert hat. 42 Prozent sind von jemand anderem wie zum Beispiel einem Makler angerufen worden und 37 Prozent wissen nicht, wer sie in wessen Auftrag angerufen hat.

Bei der Frage, welche Krankenkasse sie angerufen habe, nennen die Befragten vor allem zwei Kassen: 18 Prozent der Nennungen entfallen auf eine Kasse der Groupe Mutuel und 16 Prozent auf eine Krankenkasse der Helsana-Gruppe. Diese beiden Kassengruppen sind bereits Ende 2011 am häufigsten genannt worden.

Vereinbarung der Krankenkassen

Die Krankenkassen in der Schweiz haben sich vor rund einem Jahr Beschränkungen für die oft als lästig empfundene Telefonwerbung auferlegt. Im ersten Jahr mit der Beschränkung hat ihr Dachverband santésuisse 125 Verstösse registriert.

Der Branchenverband hatte insgesamt 356 Beschwerden erhalten. Davon wurden 125 als Verstösse identifiziert, wie er am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mitteilte. Zwei von drei Verstössen gingen auf so genannte wilde Makler zurück, die von sich aus Kunden kontaktierten, ohne eine Kasse zu nennen.

(whr/sda)

Auch Weinhändler telefonieren gern

Die Krankenkassen sind nicht die einzige Branche, die im ersten Halbjahr intensiv Telefonwer-bung betrieben hat. 59 Prozent aller Befragten haben Werbeanrufe anderer Branchen erhalten. Die meisten Werbeanrufe (19 Prozent) stammen von Wein- oder Lebensmittelverkäufern. 14 Prozent aller Befragten haben einen Anruf einer Telekommunikationsfirma erhalten, 12 Prozent von jemandem, der Zeitschriften- und Zeitungsabonnements verkauft. Für gleich viele Werbeanrufe sind Verkäufer von Gesundheitsprodukten verantwortlich. (whr)

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