Krankenkassen werden drei Prozent teurer
Aktualisiert

Krankenkassen werden drei Prozent teurer

Die Krankenkassenprämien steigen 2007 wohl um rund 3 Prozent. Das ergibt eine Umfrage des Internet-Vergleichdiensts comparis.ch. Es ist der geringste Anstieg seit Einführung des KVG.

Hauptgrund dafür ist, dass die Kassen ihre Mindestreserven abbauen müssen.

Eine Umfrage bei den 20 grössten Krankenkassen habe Prämienanstiege zwischen 0 und 7 Prozent ergeben, teilte Comparis am Montag mit. Die Angaben der Kassen beruhen auf den provisorischen Prämien, die bis am 31. Juli dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Genehmigung eingereicht werden müssen.

Am besten kommen wohl die Versicherten bei Assura und Supra weg: Die beiden Kassen versprechen für die ganze Schweiz eine Nullrunde. Bei der CSS, mit 960 000 Versicherten die mitgliederstärkste Kasse, beträgt der Anstieg 2,7 Prozent, bei der Helsana-Gruppe steigen die Prämien um durchschnittlich 3,2 Prozent.

Billigkassen brauchen Reserven

Am anderen Ende der Skala bewegen sich Atupri und EGK mit Anstiegen von durchschnittlich 7 respektive 5,9 Prozent. Beide Kassen verzeichneten dank günstiger Prämien in den letzten Jahren einen deutlichen Mitgliederzuwachs und müssen nun grössere Reserven anlegen. Trotz des starken Anstiegs werden Atupri und EGK laut Comparis weiterhin zu den günstigsten Kassen gehören.

Das durchschnittliche Prämienwachstum von rund 3 Prozent bedeutet laut Comparis den tiefsten Aufschlag überhaupt, seit vor zehn Jahren das Krankenversicherungsgesetz (KVG) eingeführt wurde. 2006 betrug der Anstieg laut BAG 5,6 Prozent, 2005 waren es 3,7 Prozent.

Allerdings fallen die Erhöhungen laut Comparis regional unterschiedlich aus. Während in einigen Kantonen sogar Nullrunden möglich sind, steigen die Prämien in anderen Kantonen wie zum Beispiel Bern, Baselstadt oder Baselland überdurchschnittlich an.

Reserven abbauen

Massgeblich beteiligt an der moderaten Erhöhung ist die vom Bundesrat verordnete Reservensenkung: Grosse Kassen müssen ihre Mindestreserven in den nächsten drei Jahren von 15 auf 10 Prozent, mittlere von 20 auf 15 Prozent der geschuldeten Prämien senken. Die Groupe Mutuel etwa baut daher 100 Millionen Franken an Eigenmitteln ab.

Laut Comparis hat die Senkung der Mindestreserve bei der Mehrheit der befragten Krankenkassen «einen dämpfenden Einfluss» auf die Prämienerhöhung. Allerdings ist dieser Effekt vorübergehender Natur.

Sind die Reserven nämlich erst bis zum neuen Mindestsatz abgebaut, müssen die Kassen höhere Kosten im Gesundheitswesen wieder vollumfänglich auf die Versicherten abwälzen. Laut Comparis wurden die Reserven bereits in den Jahren 1998 bis 2001 abgebaut - mit der Folge, dass 2002 und 2003 die Prämien stark anstiegen.

Die Umfrage von Comparis zeigt im Übrigen auch, dass die Krankenkassen alternativen Versicherungsmodellen eine immer stärkere Bedeutung einräumen. Verschiedene Kassen bauen ihre Hausarzt- und HMO-Modelle weiter aus. Helsana führt für ihre Tochterkassen Progès, Sansan und Avanex das Telmed-Modell flächendeckend ein. (sda)

Deine Meinung