Aktualisiert 27.09.2005 19:24

Krankenkassenprämien steigen um 5,6 Prozent

Deutlich höhere Kosten im Spitalsektor haben das Gesundheitswesen verteuert. Kantonal fällt der Prämienanstieg zwischen 3,6 Prozent (Genf) und 9,9 Prozent (Bern) sehr unterschiedlich aus.

Erneut überdurchschnittlich wachsen die Prämien für junge Erwachsene bis 25 Jahre. Sie müssen mit um 7,1 Prozent höheren Prämien rechnen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag mitteilte. Für Kinder verteuert sich die obligatorische Krankenversicherung um 3,5 Prozent.

In sechs Kantonen fällt der Kostenschub für Erwachsene kräftiger aus als im landesweiten Durchschnitt. Am höchsten ist der Anstieg im Kanton Bern mit einem Plus von 9,9 Prozent, was laut BAG vor allem auf Anpassungen bei den kantonalen Spitaltarifen zurückzuführen ist. Überdurchschnittlich steigen die Prämien auch in den Kantonen Appenzell-Innerrhoden mit 7,3 Prozent, St. Gallen mit 6,8 Prozent, Luzern mit 6,5 Prozent sowie Graubünden und Aargau mit 5,8 beziehungsweise 5,7 Prozent.

In den anderen 20 Kantonen bewegt sich der Prämienanstieg unter oder im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Am geringsten fällt er im Kanton Genf mit einem Plus von 3,6 Prozent aus. Mit 3,9 Prozent ebenfalls nur moderat verteuern sich die Prämien in den Kantonen Solothurn und Basel Stadt.

Insgesamt liegt die Prämienzunahme für das kommende Jahr leicht unter dem langjährigen Durchschnitt, aber über dem Wert des laufenden Jahres. Per Anfang 2005 hatten sich die Prämien um 3,7 Prozent verteuert. Stark ins Gewicht fällt beim aktuellen Prämienschub der ausserordentliche Anstieg im Kanton Bern. Lässt man diesen bei der Berechnung weg, beträgt die Zunahme in der Schweiz unter fünf Prozent, wie das BAG mitteilte.

Die Versicherer rechnen im kommenden Jahr mit Bruttokosten bei der obligatorischen Krankenversicherung von 21,7 Milliarden Franken, was einer Zunahme von 1,3 Milliarden Franken entspricht. Ins Gewicht fallen vor allem die Kostensteigerung von 443 Millionen Franken bei den Spitälern. Um 305 Millionen Franken werden voraussichtlich die Ausgaben für ambulante Behandlungen bei Ärzten steigen. Medikamente werden mit zusätzlichen 287 Millionen Franken zu Buche schlagen.

Das Prämienwachstum 2006 liegt etwas unter der Zunahme von sechs bis acht Prozent, welche die Krankenkassen vergangene Woche angekündigt hatten. Es ist aber höher als die 3,5 bis 4,5 Prozent, welche Bundesrat Pascal Couchepin im Frühjahr prognostiziert hatte.

Beibehalten wird auch im kommenden Jahr das auf Anfang 2005 eingeführte Franchisen-System. Die ordentliche Franchise beträgt weiterhin 300 Franken, die höchste, wählbare Franchise für Erwachsene liegt bei 2500 Franken. (dapd)

Neue Prämien laut santesuisse kostendeckend

Die Prämienerhöhung von 5,6 Prozent bei der obligatorischen Krankenversicherung entspricht laut santesuisse der prognostizierten Kostenentwicklung im Gesundheitswesen. Die Prämien für 2006 seien so genehmigt worden, dass die Krankenkassen voraussichtlich sämtliche Kosten decken können, wie santesuisse-Sprecher Peter Marbet auf Anfrage sagte. Es brauche jetzt aber politische Massnahmen, um die Teuerung im Gesundheitswesen zu stoppen. Marbet bekräftigte dabei die Forderung der santesuisse nach einer Reform der Spitalfinanzierung. Zudem müssten die Medikamentenpreise auf europäisches Niveau gesenkt werden und der Vertragszwang zwischen Ärzten und Kassen müsse aufgelöst werden.

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