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Sterbehilfe oder Totschlag?Krankenschwester schaltet Beatmung ab

Um das Leid eines Patienten zu beenden hat eine Krankenschwester ohne Wissen der Ärzte ein Beatmungsgerät abgeschaltet. Nun steht sie vor Gericht.

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isa/dpa
Tötung aus Mitleid: Die Krankenschwester gab an, vor sich selbst erschrocken zu sein.

Tötung aus Mitleid: Die Krankenschwester gab an, vor sich selbst erschrocken zu sein.

Blasen und offene Wunden bedeckten den Rücken des Mannes, er litt an Krebs, lag im Koma. Als eine Krankenschwester den Zustand des Patienten bemerkte, schaltete sie das Beatmungsgerät ab und blieb bei ihm, bis er starb. Nun steht die Krankenschwester vor Gericht, sie muss sich wegen Totschlags verantworten.

Vor dem Landgericht Heilbronn gab sie zu, das Beatmungsgerät des Krebskranken ohne Arztanweisung abgeschaltet zu haben. Sie habe sein Leiden beenden wollen, sagte die 48 Jahre alte Frau bei Prozessbeginn. «Ich habe nur daran gedacht, dass ich nicht wollte, dass diese Qual noch länger geht.»

Mitleid als Motiv

Von einer eventuellen Patientenverfügung habe sie nichts gewusst. Als Motiv nannte sie Mitleid. «Ich würde heute nicht mehr so handeln, ich würde eine Alternative suchen», sagte die Frau.

Sie habe zwar der behandelnden Ärztin vom Tod berichtet, nicht aber von ihrem eigenen Eingreifen. Erst den Kollegen der nachfolgenden Schicht habe sie davon erzählt. Der Vorfall wurde erst rund eine Woche später angezeigt, so dass der Leichnam bereits eingeäschert und eine Obduktion nicht mehr möglich war.

«Im Nachhinein selber erschreckt»

Die Angeklagte berichtete von einer hohen Belastung in der Klinik. Auch sei die Arbeit psychisch anstrengend gewesen, weil viele Patienten litten. Die Tat sei aber eine spontane Entscheidung und Unrecht gewesen. «Es hat mich im Nachhinein selber erschreckt, zu was ich fähig bin.»

Bei den folgenden Verhandlungsterminen sollen Kollegen aus der Klinik und die Tochter des Toten aussagen. Ein Urteil wird für Ende Juni erwartet. Die aktive Sterbehilfe, also das Töten auf Verlangen, ist in Deutschland strafbar. Erlaubt ist die passive Sterbehilfe, bei der Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen abbrechen, wenn dies dem klaren oder dem mutmaßlichen Wunsch des Patienten entspricht.

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