Bewegungsstörung: Krankheit macht Gitarristen erfinderisch

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BewegungsstörungKrankheit macht Gitarristen erfinderisch

Billy McLaughlin leidet unter einer unheilbaren Krankheit. Doch er liess sich dadurch nicht aus der Bahn werfen. Im Gegenteil: Er entwickelte eine ganz neue Art des Gitarrespielens.

von
rre

Billy McLaughlin: Er überzeugt durch eine ganz besondere Gitarrenspiel-Technik. <br>(Quelle: YouTube/AP)

Man mag es sich gar nicht vorstellen, wie das ist: Eines Morgens aufzuwachen und Arme oder Beine nicht mehr bewegen zu können. Plötzlich feststellen zu müssen, dass das bisherige Leben hier und jetzt ein Ende hat und auf einmal alles ausser Kontrolle gerät. Gitarrist Billy McLaughlin kennt dieses beklemmende Gefühl. Elf Jahre ist es her, da konnte der Musiker auf einmal seine rechte Hand nicht mehr bewegen. «Allein die Vorstellung, vor Publikum die Kontrolle über meine Finger zu verlieren … furchtbar!», erinnerte er sich.

Furchtbar war für McLaughlin auch die Diagnose: Fokale Dystonie. Anfangen konnte der Gitarrist damit zunächst herzlich wenig: «Als der Arzt Dystonia (englisch für Dystonie) erwähnte, dachte ich, er wolle mir etwas über ein Land in Europa erzählen», erinnert er sich in einem Gespräch mit dem Newsportal wgn.com. Später erfuhr er dann mehr über die Krankheit, die fortan sein Leben verändern sollte: Unter einer fokalen Dystonie versteht man eine Fehlfunktion bei der Kontrolle von Bewegungen, bei der nur ein bestimmter Bereich des Körpers betroffen ist.

Heilung gibt es nicht

Meistens macht sich das neurologische Leiden, das häufig Musiker trifft, erst im Erwachsenenalter bemerkbar. Behandelt werden kann eine Dystonie mit Hilfe von Medikamenten oder Physiotherapie. Einige Patienten können von einer Operation profitieren. Dennoch bleibt ein Wermutstropfen: Geheilt werden kann die Krankheit nicht.

Billy McLaughlin liess sich nicht unterkriegen – ganz im Gegenteil. Um sein Instrument trotz Bewegungsstörung halten und spielen zu können, wurde er kreativ. Heute bedient er sich einer ganz besonderen Technik: Statt die Seiten zu zupfen, schlägt er sie auf dem Griffbrett an. Dabei hält er sein Instrument nicht – wie beim Gitarrespielen üblich – horizontal, sondern vertikal. Sein Publikum ist begeistert.

Durch seine Krankheit hat der ambitionierte Künstler eine weitere Leidenschaft für sich entdeckt: Er engagiert sich für andere an Dystonie erkrankte Menschen: «Mit anderen Dystonie-Patienten zusammen zu sein, gibt mir viel Kraft», erklärt McLaughlin und ergänzt: «Es gibt nichts Schöneres, als Leute um sich zu haben, die selbst ganz genau wissen, was du durchmachst.»

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