Aktualisiert 06.03.2010 10:59

Erdbeben in ChileKrankheit und Tod nach dem Beben

Die Ärzte im chilenischen Katastrophengebiet warnen vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Trümmerberge und tonnenweise verrottender Fisch seien grosse Ansteckungsquellen. Derweil sind seit dem Beben 452 Tote identifiziert worden.

Der Bürgermeister der schwer beschädigten Hafenstadt Talcahuano, Gaston Saavedra, sagte, man benötige sauberes Trinkwasser und ein funktionierendes Abwassersystem. «Wir müssen die Strassen von verwesendem Fisch reinigen. Wir brauchen Campingtoiletten, und wenn es zu regnen beginnt, werden die Leute in den Zelten nass und krank. All das wird zu Infektionen führen», sagte Saavedra.

Weil Plünderer die Apotheken heimgesucht haben, gibt es nicht mehr genug Medikamente gegen Diabetes oder Bluthochdruck. Ausserdem wurden bei dem Erdbeben am 27. Februar 36 Krankenhäuser schwer beschädigt oder zerstört.

Mehrere Staaten haben Feldlazarette zur Verfügung gestellt, doch ihre Inbetriebnahme verläuft schleppend - dem Vernehmen nach wegen bürokratischer Hürden. So erzählte ein spanischer Arzt, der für die Organisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet, sein Team sei bereits am Montag eingetroffen, warte aber immer noch auf eine Anweisung der Behörden, wo es eingesetzt werden solle. In der Zwischenzeit kümmere er sich um die Obdachlosen in den Zeltlagern, sagte Luis Ojeda.

Viele Vermisste doppelt gezählt

Eine Woche nach dem schweren Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami ist die Zahl der Opfer weiter unklar. Die chilenischen Behörden erklärten, sie hätten mindestens 271 Vermisste doppelt gezählt - damit würde die Zahl der Toten von mehr als 800 auf rund 540 sinken. Das Innenministerium teilte mit, es geben nun nur noch die Zahl der identifizierten Opfer bekannt. Am Freitagabend waren dies 452.

Bundesaussenminister Guido Westerwelle bricht am Samstagabend zu einer einwöchigen Reise nach Südamerika auf. Den Auftakt bildet am Sonntag ein Kurzbesuch in Chile. Dort will sich Westerwelle über die Lage informieren und weitere deutsche Hilfe anbieten. Am Sonntagabend ist dazu in der Hauptstadt Santiago ein Treffen mit dem chilenischen Aussenminister Mariano Fernández geplant. Eine Visite im Erdbebengebiet von Concepción steht nicht auf seinem Programm.

(dapd)

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