Langenthal BE: Krawall-Tourist der Juso spaltet die SP
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Langenthal BEKrawall-Tourist der Juso spaltet die SP

Weil Alain Roth vermummt an einer Demo in Paris teilnahm, streicht ihn die SP Langenthal von der Liste. Die Juso zieht nun aus Protest all ihre Kandidaten ab.

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kaf/miw
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Alain Roth ist Präsident der Juso-Oberaargau. Im vergangenen Jahr kandidierte er für den Nationalrat. Derzeit ist er Kandidat für den Gemeinderat Langenthal, wurde aber von der SP von der Liste gestrichen.

Alain Roth ist Präsident der Juso-Oberaargau. Im vergangenen Jahr kandidierte er für den Nationalrat. Derzeit ist er Kandidat für den Gemeinderat Langenthal, wurde aber von der SP von der Liste gestrichen.

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Am Dienstag, 14. Juni 2016, nahm Roth an den Protesten gegen das Arbeitsgesetz in Paris teil und wurde dabei schwer verletzt.

Am Dienstag, 14. Juni 2016, nahm Roth an den Protesten gegen das Arbeitsgesetz in Paris teil und wurde dabei schwer verletzt.

AFP/Alain Jocard
Laut einem Augenzeugen traf Roth eine Tränengas-Granate, die zwischen Rucksack und Nacken stecken blieb. Darauf explodierte sie. Die Granate habe danach noch geglimmt und Rauch sei aus der Wunde getreten.

Laut einem Augenzeugen traf Roth eine Tränengas-Granate, die zwischen Rucksack und Nacken stecken blieb. Darauf explodierte sie. Die Granate habe danach noch geglimmt und Rauch sei aus der Wunde getreten.

epa/Yoan Valat

Vermummt und in Krawallmontur ist der Langenthaler Juso-Mann Alain Roth am 14. Juni bei einer Demo in Paris verletzt worden (20 Minuten berichtete). Brisant: Der 23-jährige Roth ist nicht nur Offizier der Schweizer Armee, sondern war auch Gemeinderatskandidat auf der Liste der SP Langenthal. Roths Verhalten sei nicht akzeptabel, heisst es bei der SP. Die Partei hat den Jungpolitiker nun von ihrer Liste gestrichen.

Dieser Entscheid stösst bei den Junioren sauer auf, die JUSO nimmt Roth weiterhin in Schutz. Aus Protest gegen die Mutterpartei zügelt sie nun sämtliche Kandidaten von der Langenthaler Liste ab. «Die JUSO weigert sich mit solch unsolidarischen, respektlosen und Unwahrheiten verbreitenden Politikern auf einer Liste an den Stadtratswahlen anzutreten», begründet die Juso ihre Reaktion gegenüber der SP. Das Verhalten der SP Langenthal sei «zutiefst beschämend».

Knatsch könnte Wähler vergraulen

Der interne Knatsch kann für die Linke unangenehm werden, sagt Politologe Mark Balsiger: «Potentielle Wähler werden durch einen solchen Streit abgeschreckt. Doch wegen des Proporzsystem zählt in Langenthal jede einzelne Stimme.» Man lähme sich nur unnötig.

Den sogenannten «Familienkrach der Linken» beobachtet auch die dortige SVP: «Für das politische Klima in Langenthal ist es gut, dass die SP endlich auf Distanz zu einem Chaoten geht», sagt Roberto Di Nino, Fraktionspräsident der SVP Langenthal.

Roth sei alles andere als ein Chaot, behaupten die Jungsozialisten. Sie halten fest: Von Alain Roth sei während der Demonstration in Paris zu keiner Zeit eine Gefahr ausgegangen. «Unser Genosse Alain Roth wurde schwer verletzt, als er von einer Tränengasgranate der Polizei am Rücken getroffen wurde.» Kaum hätten man in der Schweizer Wind vom Vorfall bekommen, sei der Politiker ohne Grundlage öffentlich verurteilt worden. Der Langenthaler, der seine Verletzungen noch immer auskurieren müsse, hätte nur seine Werte kundtun wollen. Alain Roth selber wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht zum Vorfall äussern.

Im Zweifel für den Angeklagten, findet auch Politologe Balsiger. Die JUSO müsse geschlossen hinter Roth stehen, sonst würde der Knatsch der Lagenthaler Sozialisten eine neue Dimension erreichen. Das Verhalten der Jungsozialisten nennt Balsiger eine «Trotzreaktion». Dennoch kann er ihr Handeln nachvollziehen, sehe sich die JUSO doch als Stachel im Fleisch der SP. Ihr Ziel sei es, Druck zu machen und auf die Grundwerte der Sozialisten – hier die Versammlungs- und Meinungsfreiheit – zu pochen. Derzeit bezichtigt die JUSO ihre Mutterpartei, nur auf Wählerfang zu sein und dabei die Grundwerte aussen vor zu lassen. Die SP habe diesen Entscheid gefasst, ohne die genauen Umstände zu kennen und ohne mit der Jungpartei nach einer Lösung zu suchen, wie die Juso Kanton Bern mitteilt.

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