Zwei Präsidenten: Krawalle in Abidjan halten an
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Zwei PräsidentenKrawalle in Abidjan halten an

Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in der Elfenbeinküste ist es in der grössten Stadt des Landes erneut zu Unruhen gekommen. Derweil gibt es erste Vermittlungsversuche.

Am dritten aufeinanderfolgenden Tag steckten Demonstranten in den Strassen von Abidjan Reifen in Brand. Über mehreren grösstenteils von Anhängern des Oppositionskandidaten Alassane Ouattara bewohnten Stadtvierteln waren Rauchwolken zu sehen.

Am Samstag hatten sich sowohl Amtsinhaber Laurent Gbagbo als auch Ouattara als Staatschef vereidigen lassen. Damit hat das westafrikanische Land faktisch zwei parallele Regierungen. Der Oppositionsführer hatte die Stichwahl am vorvergangenen Wochenende nach Angaben der Wahlkommission mit 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen.

Der Verfassungsrat, der das Wahlergebnis anerkennen muss und dessen Vorsitzender ein enger Parteifreund Gbagbos ist, rief am vergangenen Freitag im Staatsfernsehen jedoch den Amtsinhaber zum Wahlsieger aus. Rund eine halbe Million Stimmen könnten nicht in das Wahlergebnis einfliessen, da in den Hochburgen Ouattaras im Norden Anhänger von Gbagbo an der Stimmabgabe gehindert worden seien, teilte der Verfassungsrat zur Begründung mit.

Internationaler Druck auf Gbagbo

Die Vereinten Nationen, die USA und Frankreich als ehemalige Kolonialmacht riefen Gbagbo unterdessen zum Machtverzicht auf. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte Journalisten am Montag, er habe Gbagbo aufgefordert, sein Amt an Ouattara abzugeben. «Er muss die Macht dem gewählten Präsidenten übertragen», sagte Sarkozy. Trotz des internationalen Drucks verfügt Gbagbo noch immer über viel Einfluss beispielsweise auf die Streitkräfte oder die staatlichen Medien.

Die EU hat bereits mit Sanktionen gedroht. Wenn die Krise nicht schnell gelöst werde, erwäge EU-Aussenministerin Catherine Ashton, das Verfahren für Strafmassnahmen einzuleiten, sagte eine ihrer Sprecherinnen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich zutiefst besorgt über die politische Krise.

Afrikanische Staaten wollen vermitteln

Vielfältige Vermittlungsversuche sollen nun zu einer Lösung im Machtkonflikt beitragen. Die westafrikanische Staatengemeinschaft hat für Dienstag zu einem Krisengipfel im nigerianischen Abuja geladen.

Der Präsident von Burkina Faso, Blaise Compoare, soll im Auftrag des Staatenbundes zwischen den verfeindeten Parteien in Elfenbeinküste vermitteln. Am Sonntag war bereits der frühere südafrikanische Präsident Thabo Mbeki als Vermittler in die Elfenbeinküste gereist.

Bereits am Wochenende war es immer wieder zu Unruhen gekommen. Im Norden des Landes forderten am Sonntag mehrere Hundert Demonstranten den Rücktritt Gbagbos. An einer Hauptstrasse der Region errichteten mit Macheten bewaffnete Dorfbewohner Kontrollposten. Ebenfalls im Norden der Elfenbeinküste blockierten Demonstranten aus Protest gegen den mutmasslichen Wahlbetrug eine Strasse mit Baumstämmen und Steinen. In Abidjan wurden nach Angaben von Ortsvorstehern zudem vier Menschen getötet. (sda/dapd)

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