Aktualisiert

Krawalle in Paris trotz grossem Polizeiaufgebot

Die Unruhen in den Vorstädten von Paris gehen trotz massivem Polizeiaufgebot weiter und haben auf weitere Städte in Frankreich übergegriffen. Hunderte Fahrzeuge, aber auch Gebäude gingen wieder in Flammen auf.

Trotz eines massiven Polizeiaufgebots ist es am Freitagabend in mehreren Pariser Vororten erneut zu Gewalt gekommen. In Val d'Oise wurden etwa zehn Autos und zwei Gebäude, darunter eine Bäckerei, in Brand gesteckt.

In Epinay-sous-Bois hätten etwa 40 maskierte Jugendliche zehn Fahrzeuge geplündert, sagte die Polizei der Nachrichtenagentur Reuters.

In Seine-Saint-Denis - von den seit gut einer Woche anhaltenden Krawallen in der Pariser Region am stärksten betroffen - waren etwa 1300 Polizisten im Einsatz.

Kein Ende absehbar

Behördenvertreter hatten zuvor die Hoffnung geäussert, dass das Schlimmste überstanden sei und die Gewalt allmählich nachlasse. Der Bruder eines der Jungen, deren Tod vor acht Tage die schweren Krawalle ausgelöst hatte, rief seine Altersgenossen zur Mässigung auf.

Krawalle wurden in der Nacht zum Freitag auch aus der Nähe von Dijon und einem Vorort von Marseille gemeldet. Insgesamt fast 20 Fahrzeuge wurden dort angezündet. Im Grossraum Paris gingen mindestens 520 Autos in Flammen auf, auch drei Lagerhäuser und ein Busdepot wurden angezündet. Bei einem Angriff auf einen Bus in der Ortschaft Sevran erlitt eine behinderte Frau schwere Verbrennungen, wie die Präfektur des am schwersten betroffenen Départements Seine-Saint-Denis mitteilte. Auch mehrere Polizisten wurden verwundet.

Nach Polizeiangaben gingen die Angriffe von kleinen, hoch mobilen Gruppen von Jugendlichen aus. Direkte Konfrontationen mit den Sicherheitskräften gab es kaum. «Das Schlimmste liegt hinter uns», erklärte der Bürgermeister von Aulnay-sous-Bois, Gerard Gaudron. Dem Sender France-Info sagte er, die Eltern achteten jetzt mehr darauf, dass ihre Kinder zu Hause blieben. «Die Menschen haben genug.»

Bruder von Verstorbenem versucht zu beruhigen

Silyakah Traore, dessen 15-jähriger Bruder am Donnerstag vergangener Woche zusammen mit einem Freund einen tödlichen Stromschlag erlitt, als sie sich in einem Transformatorenhäuschen vor Polizisten versteckten, erklärte am Freitag, er bitte die Jugendlichen in den überwiegend von Einwanderern bewohnten Vorstädten, «sich zu beruhigen und aufzuhören, mehr oder weniger alles zu verwüsten». Im Radiosender RTL sagte er: «Auf diese Weise wird es uns nicht gelingen, uns Gehör zu verschaffen.» Besonders kritisierte er die wiederholten Angriffe auf Feuerwehrleute. «Sie sind es, die uns das Leben retten. Wir brauchen sie.» Er bekräftigte jedoch die Vorwürfe an die Polizei.

Diese hatte am Donnerstag einen Bericht vorgelegt, demzufolge die drei Jugendlichen am Abend des 27. Oktobers Fussball spielten und die Flucht ergriffen, als wegen Eindringens in eine Baustelle alarmierte Polizisten eintrafen. Sie seien aber nicht von Polizisten verfolgt worden, heisst es unter Berufung auf eine Aussage des überlebenden Jugendlichen. Nach dem Vorfall kam es in Clichy-sous-Bois Nacht für Nacht zu Sabotageakten und Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften, die bald auf weitere Vorstädte übergriffen.

Gewalt in Banlieues Alltag

Die Polizei verwies unterdessen darauf, dass angezündete Autos in den Vorstädten zum Alltag gehören. Jeden Monat gebe es tausende derartige Fälle. In diesem Jahr seien schon fast 70.000 Fälle von Gewalt in den Vorstädten registriert worden, darunter Angriffe auf Polizei und Rettungsdienste, Brandanschläge und Sachbeschädigungen.

Die Bahngesellschaft SNCF schränkte unterdessen die Zahl der Züge in das Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris ein. Sie reagierte damit auf einen Brandanschlag auf den S-Bahnhof von Le Blanc-Mesnil am Mittwochabend. Eine Fahrergewerkschaft forderte, dass S-Bahnen in sozial schwierige Vorstädte künftig von Sicherheitskräften begleitet werden sollten.

(dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.