Zürcher Regierungsrätin : Krebs traf Jacqueline Fehr mitten im Wahlkampf
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Zürcher Regierungsrätin Krebs traf Jacqueline Fehr mitten im Wahlkampf

Als Jacqueline Fehr (SP) vor einem Jahr im Wahlkampf die Diagnose Brustkrebs erhielt, brach für sie eine Welt zusammen. Mittlerweile ist sie gesund und weniger forsch.

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som/zed
Jacqueline Fehr spricht zum ersten Mal über ihre Krebserkrankung.

Jacqueline Fehr spricht zum ersten Mal über ihre Krebserkrankung.

Am liebsten hätte sie alles hingeschmissen und ihre Kandidatur zurückgezogen, sagt Jacqueline Fehr (52). Das war vor einem Jahr, als sie um einen Sitz im Zürcher Regierungsrat kämpfte. Damals erhielt die SP-Politikerin die Diagnose Brustkrebs bei einer Routinekontrolle. «Ich konnte die Sache nicht so rational hinnehmen, wie ich es mir gewünscht hätte», sagt Fehr rückblickend zur «Limmattaler Zeitung».

Obwohl sie sich in ermutigende Statistiken vertieft habe, habe sie regelrechte Angstzustände bekommen: «Im ersten Moment ist für mich die Welt zusammengebrochen.» Sie sei auf einen Schlag mit ihrer Verletzlichkeit konfrontiert worden und rasch seien existenzielle Fragen aufgetaucht – etwa über das Sterben oder wie sie ihr Leben geführt habe.

Keine generelle Untersuchungspflicht

Trotzdem entschloss sie sich, nicht aus dem Wahlkampf auszusteigen. Ihre damalige Sitznachbarin im Nationalrat, die Ärztin Marina Carobbio, habe sie dazu ermutigt. Sie solle keinen übereilten Entscheid fällen, den sie später bereuen würde, sie werde sich bald besser fühlen. Das war tatsächlich so, als die Ärzte die bösartigen Zellen entfernt hatten: «Ich hatte Glück im Unglück, dass der Krebs schon sehr früh erkannt wurde», so Fehr. Weder Bestrahlungen noch Chemotherapien seien nötig gewesen.

Trotz dieser erschütternden Erfahrung ist Fehr nun nicht dafür, eine generelle Pflicht für Vorsorgeuntersuchungen einzuführen. Es mache dann Sinn, wenn - wie in ihrem Fall - familiäre Vorbelastungen vorhanden seien oder eine Frau sich unsicher fühle, so Fehr. «Wichtig ist, dass die Untersuchungen systematisch und in qualifizierten Instituten durchgeführt werden.»

Jede achte Frau erkrankt an Brustkrebs

Wieso sie gerade jetzt über ihre Erkrankung spreche, erklärt sie folgendermassen: «Wäre ich damit sofort an die Öffentlichkeit getreten, wäre mein Brustkrebs zum bestimmenden Thema im Regierungsrats-Wahlkampf geworden. Das wollte ich nicht.» Der operative Eingriff sei nun genau ein Jahr her und die ersten Nachuntersuchungen seien weiterhin ohne Befund. Dadurch habe sie Sicherheit zurückgewonnen.

Ausserdem habe sie Maria Carobbio, dem Onkologen und dem Ex-Nationalrat Franco Cavalli versprochen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Dies solle einerseits die Prävention fördern, andererseits Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen. In der Schweiz sei jede achte Frau von der Diagnose Brustkrebs betroffen, doch heute sei das nicht mehr ein Todesurteil. Auch Fehrs Amtsvorgängerinen Verena Diener (GLP) und Rita Fuhrer (SVP) hatten mit der Erkrankung zu kämpfen und haben überlebt.

«Man darf mich darauf ansprechen»

Heute muss Fehr zwar noch Medikamente einnehmen, sie gilt medizinisch aber als vollkommen gesund. Die Erfahrung mit dem Brustkrebs habe sie aber menschlich verändert: «Ich bin schon weniger forsch und fordernd geworden», sagt sie. Auch geniesse sie das Leben jetzt bewusster und pflege soziale Beziehungen mehr als vor der Diagnose.

Einen Einfluss auf ihre Arbeit als Vorsteherin der Direktion für Justiz und Inneres habe die Krankheit aber nicht gehabt. Von ihren Mitmenschen wünscht sich die Politikerin einen unverkrampften Umgang mit ihrer Krankheit: «Man darf mich darauf ansprechen.»

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