Krebsärztin als Todesengel
Aktualisiert

Krebsärztin als Todesengel

Schwere Vorwürfe an eine Ärztin aus Langenhagen bei Hannover: Ihr wird unzulässige Sterbehilfe in über 70 Fällen zur Last gelegt. Jetzt ist sie wegen Totschlags verhaftet worden.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Mittwoch mit, nach Auswertung eines Gutachtens zu umstrittenen Morphin-Verordnungen der Internistin habe man einen Haftbefehl wegen Totschlags erwirkt. Der Fall war im vergangenen Jahr bekannt geworden. Gegen die 54-jährige Ärztin war wegen unzulässiger Sterbehilfe in mehr als 70 Fällen ermittelt worden.

Die Frau wurde am frühen Morgen in Haft genommen. Der Gutachter kam nach Angaben der Ermittlungsbehörde zu dem Schluss, «dass die Ärztin entgegen den Regeln der ärztlichen Kunst unangemessen hohe Dosen von Morphin teilweise in Kombination mit der überhöhten Gabe von Diazepam verordnet hatte». Dies habe «in mindestens acht Fällen zum Tod der Patienten» geführt. Nach den Krankenunterlagen hätten die Betroffenen nicht unter so grossen Schmerzen gelitten, dass die Gabe von Morphium überhaupt oder in derartigen Mengen erforderlich gewesen wäre.

Die AOK Niedersachsen hatte im Mai vergangenen Jahres Strafanzeige gegen die Ärztin erstattet und sich dabei auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen gestützt. Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der Sterbehilfe und der fahrlässigen Tötung ein. Untersucht wurden 76 Fälle von Patienten der Internistin, die in den vergangenen beiden Jahren gestorben waren. Die Ermittlungsbehörde beschlagnahmte die Krankenakten der Krebspatienten in der Paracelsus-Klinik in Langenhagen, in der die Internistin als Belegärztin tätig war. (dapd)

Deine Meinung