Diskussion um Corona-Impfung: Krebsliga beruhigt – nein, die Covid-Impfung führt nicht zu Krebs

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Diskussion um Corona-ImpfungKrebsliga beruhigt – nein, die Covid-Impfung führt nicht zu Krebs

Seit Corona beobachten Ärztinnen und Ärzte mehr Tumorerkrankungen in fortgeschrittenen Stadien. Experten erklären, warum kein Zusammenhang zwischen der Covid-19-Impfung und Krebs besteht.

von
Erika Unternährer
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Seit Corona wurden Vorsorgeuntersuchungen zur Krebsfrüherkennung aufgeschoben. Die Folge: Tumorerkrankungen wurden vermehrt im bereits fortgeschrittenen Stadium erkannt (Symbolbild).

Seit Corona wurden Vorsorgeuntersuchungen zur Krebsfrüherkennung aufgeschoben. Die Folge: Tumorerkrankungen wurden vermehrt im bereits fortgeschrittenen Stadium erkannt (Symbolbild).

pexels/Mart Production
Die Nachricht verunsichert viele Leserinnen und Leser. Es wird ein Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung als Auslöser von Krebs vermutet. 

Die Nachricht verunsichert viele Leserinnen und Leser. Es wird ein Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung als Auslöser von Krebs vermutet. 

20min/Michael Scherrer
Wie Swissmedic sieht auch Christoph Berger keinen Zusammenhang zwischen der Covid-19-Impfung und den Krebserkrankungen. Vielmehr seien Tumoren spät entdeckt worden, weil Vorsorgeuntersuchungen während des Lockdowns hinausgezögert oder versäumt wurden. 

Wie Swissmedic sieht auch Christoph Berger keinen Zusammenhang zwischen der Covid-19-Impfung und den Krebserkrankungen. Vielmehr seien Tumoren spät entdeckt worden, weil Vorsorgeuntersuchungen während des Lockdowns hinausgezögert oder versäumt wurden. 

20min/Simon Glauser

Darum gehts

«Seit dem Ausbruch der Pandemie haben Ärztinnen und Ärzte noch nie so viele Tumorerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium beobachtet», erklärte Mario Fasshauer, Geschäftsleiter der Patientenstelle Zürich, gegenüber 20 Minuten.

Grund dafür seien die in der Corona-Pandemie immer wieder aufgeschobenen Vorsorgeuntersuchungen und Check-ups. Fehlende Personal- und Zeitkapazitäten in den Spitälern und Hausarztpraxen führten dazu, dass der Fokus auf die Behandlung akuter Beschwerden gesetzt werden musste. So blieb keine Zeit für die Beratung bezüglich Präventionsmassnahmen.

In der Kommentarspalte zum Artikel macht sich aber noch eine andere Vermutung breit. So stellen viele Leserinnen und Leser einen Zusammenhang zwischen der Covid-Impfung und Krebs her. Eine Leserin schreibt: «Man könnte dieses Phänomen auch beim Namen nennen: Seit den experimentellen Impfungen kenne ich (zu) viele vorher gesunde Menschen, bei denen plötzlich Krebs oder Tumore aufgetreten sind.» Ein Leser schlägt vor, den Impfstatus der erkrankten Personen zu erheben. «Wäre dann einfach festzustellen, ob es vor allem Geimpfte oder Ungeimpfte trifft. Oder will man die Wahrheit nicht wissen.»

«Kein Mechanismus denkbar, wie mRNA Krebs auslösen könnte»

Die Kommentare zeigen: Die Nachricht hat viele Menschen verunsichert. Und mit den steigenden Infektionszahlen und dem Start der zweiten Booster-Impfung wird die kontroverse Diskussion um die Impfung erneut stark angekurbelt. Wie die Schweizer Krebsliga auf Ihrer Website schreibt, gibt es jedoch keine Hinweise, dass die Covid-19-Impfstoffe Krebserkrankungen auslösen oder zu Rückfällen führen. Unerwünschte Nebenwirkungen würden basierend auf Daten von internationalen Meldesystemen laufend untersucht und beurteilt.

Krebserkrankungen, so wird erklärt, sind auf Veränderungen im Erbgut der Zellen, der DNA, zurückzuführen. Die Impfstoffe von Pfizer-BioNTech sowie Moderna würden aber keine DNA, sondern mRNA enthalten – und ebendiese mRNA würde nicht in den Zellkern gelangen, wo sich das Erbgut befindet. «Entsprechend ist kein Mechanismus denkbar, wie mRNA Krebs auslösen könnte.»

Unbedenklich sei auch der Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson. Bei diesem würde der Bauplan für ein Spike-Protein in ein ungefährliches sogenanntes Adenovirus eingebaut. Durch die Vektorimpfstoffe würden zwar kleine DNA-Teile mit Informationen des Virus in die Zelle und den Zellkern geschleust, doch: Fachleute stufen dies als unbedenklich ein. Der Grund: Menschen infizieren sich auch natürlicherweise regelmässig mit Adenoviren, ohne dass Spätfolgen – wie Tumorerkrankungen – bekannt würden.

Versäumte Vorsorgeuntersuchung verantwortlich für Krebs, nicht Impfung

Christoph Berger, Facharzt für Pädiatrie und Infektiologie und oberster Impfchef der Schweiz, sagt: «Mir sind keine Hinweise bekannt, wonach Covid-19-Impfstoffe zu Tumoren führen könnten.» Er verweist auf die Datenlage, welche von Swissmedic laufend überprüft und aktualisiert werde. «Würde ein Anstieg von Krebserkrankungen bei geimpften Patientinnen und Patienten verzeichnet werden, würde dies kommuniziert werden.» Nichtsdestotrotz sei die Entwicklung weiter zu beobachten.

Dass Tumorerkrankungen seit dem Ausbruch der Pandemie erst spät erkannt wurden, erklärt sich Berger ebenfalls damit, dass Vorsorgeuntersuchungen ausgesetzt wurden. «Dies war insbesondere während des Lockdowns der Fall.» Zeitlich gesehen also zu dem Zeitpunkt, als noch niemand eine Impfung erhalten hatte.

Auf die Vermutung Bergers stützt sich auch Swissmedic und verweist auf eine Studie des Medizinmagazins Lancet, welche die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Todesfälle durch Krebs oder Todesfälle aufgrund von Verzögerungen bei der Diagnose im Vereinigten Königreich untersuchte. Das Fazit: «Ein erheblicher Anstieg der Zahl der vermeidbaren Krebstodesfälle in England ist zu erwarten als Folge der Diagnoseverzögerungen aufgrund der Covid-19-Pandemie». 

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