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Zusatzschichten und NotaufbahrungKrematorien kommen mit Corona an den Anschlag

Die Krematorien in der Region Zürich kommen mit Corona an ihre Grenzen. Das belastet die Betriebe.

von
Lynn Sachs

Darum gehts

  • Die Krematorien in der Region Zürich haben viel zu tun und kommen teilweise an ihre Kapazitätsgrenzen.

  • Im grössten Krematorium der Schweiz sind es rund 20 Prozent mehr als noch vor Corona.

  • Für Entlastung sorgt das Krematorium in Winterthur, doch auch dort ist die Belastung stärker als im Vorjahr.

  • In Baden hat man auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt und arbeitet auch an Samstagen und Sonntagen.

Im Zürcher Krematorium Nordheim werden derzeit täglich zwischen 32 und 44 Leichen kremiert. Das sind rund 20 Prozent mehr als noch vor Corona. Das grösste Krematorium der Schweiz stösst an seine Kapazitätsgrenzen. «Ich kann mich nicht erinnern, dass es je so viele auf einmal waren», sagt Rolf Steinmann, Leiter des städtischen Bestattungs- und Friedhofamts zur «Neuen Zürcher Zeitung».

Seit Wochen würden die Angestellten Überstunden leisten. Verabschiedungsräume wurden heruntergekühlt und zu Sarglagern umgenutzt. In der Anlieferungshalle gibt es eine Notaufbahrung. Steinmann hofft, dass die Corona-Massnahmen bald Wirkung zeigen, denn erfahrungsgemäss bekomme man in den ersten Januarwochen die meisten Toten. «Die Spitze haben wir also noch nicht erreicht.»

25 statt 12 Kremationen täglich

Für etwas Entlastung sorgt das Krematorium Rosenberg in Winterthur. Dieses übernimmt die Kremation von acht Leichen pro Tag. Aber auch dieses Krematorium ist derzeit stärker belastet als im Vorjahr. «An einem normalen Tag führen wir 12 Kremationen durch, nun sind es rund 25», sagt Fredy Baumgartner, Leiter der Aufbahrung und des Krematoriums Rosenberg.

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Der Kühlraum im Krematorium Nordheim in Zürich ist voll.

Der Kühlraum im Krematorium Nordheim in Zürich ist voll.

Stadt Zürich
«Die Spitze haben wir also noch nicht erreicht», sagt Leiter Rolf Steinmann.

«Die Spitze haben wir also noch nicht erreicht», sagt Leiter Rolf Steinmann.

Stadt Zürich
Auch im Kremation Rosenberg ist die Anzahl der Kremationen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.

Auch im Kremation Rosenberg ist die Anzahl der Kremationen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.

20 Minuten

Schwierigkeiten bei Ausfällen

Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich höher. Deshalb ist das Krematorium auf alle Fachkräfte angewiesen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. «Wenn ein Teil unseres Teams Corona bekommen sollte, hätten wir grosse Schwierigkeiten», so Baumgartner. Um alle Kremationen durchführen zu können, wurde ein Schichtbetrieb eingeführt. «Die Mitarbeitenden kommen am Morgen etwas früher und hören am Abend etwas später auf. Sie müssen keine Mehrzeit arbeiten, aber die Arbeitszeiten verschieben sich ein wenig.»

Im Unterschied zum Krematorium Nordheim wird im Krematorium Rosenberg derzeit keine Aufbahrung von Corona-Verstorbenen gemacht. «Wir sind um den Schutz unser Mitarbeitenden sehr bemüht. Wenn die Leichen bewegt werden, könnten allenfalls Viren übertragen werden», so Baumgartner.

Fast durchgehend in Betrieb

Beim Krematorium Liebenfels in Baden beobachtet man ebenfalls einen markanten Anstieg seit Mitte Dezember. «Die Situation ist aussergewöhnlich und belastet uns», sagt Leiter Thomas Stirnemann. Man habe am 17. Dezember auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt und arbeite auch an Samstagen und Sonntagen. «Über die Festtage waren wir mit wenigen Ausnahmen durchgehend in Betrieb.» In der ersten Welle sei die Situation nicht so prekär gewesen. «Jetzt sind etwa 60 Prozent der Toten mit Corona infiziert.»

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