«Es war wie im Krieg»: Kreuzfahrtschiff trotzt Piraten
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«Es war wie im Krieg»Kreuzfahrtschiff trotzt Piraten

Piraten haben am Wochenende vor der Küste Somalias einen deutschen Frachter gekapert und auch wieder ein Kreuzfahrtschiff angegriffen. Die Besatzung des Passagierschiffs «MSC Melody» trieb die Seeräuber aber nach Angaben des italienischen Kapitäns mit Schüssen in die Flucht. Wie die Reederei mitteilte, waren rund 50 Passagiere aus der Schweiz an Bord der «Melody».

Kapitän Ciro Pinto sagte im staatlichen italienischen Rundfunk, er habe den israelischen Sicherheitsleuten an Bord befohlen, zurückzuschiessen, als sechs Piraten in einem kleinen Boot sein Passagierschiff angriffen. «Es war wie im Krieg», sagte Pinto. Die Piraten hätten «wie verrückt» geschossen und das Schiff dabei leicht beschädigt. Die Sicherheitsleute an Bord der «Melody» setzten nach Angaben des Kapitäns auch Feuerlöschschläuche gegen die Angreifer ein.

Die «MSC Melody» gehört dem italienischen Unternehmen MSC Crociere. Deren Chef Domenico Pellegrino sagte der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, alle 1000 Passagiere und 500 Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit. Die Reederei habe israelische Sicherheitsleute angeheuert, weil diese die beste Ausbildung hätten. Die Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen ist bei jungen Israelis, die gerade den Wehrdienst abgeleistet haben, ein beliebter Job, um Geld zu verdienen und auf Reisen zu gehen.

Der Zwischenfall spielte sich rund 325 Kilometer nördlich der Seychellen ab. Es war einer der ersten Schusswechsel zwischen Piraten und einem Schiff der Zivilschifffahrt. Die «Melody» war auf einer 22-tägigen Kreuzfahrt von Durban in Südafrika nach Genua. Sie setzte die Reise wie geplant fort.

US-General für Bewaffnung von Handelsschiffen

Der für den US-Einsatz vor Somalia zuständige General hat wegen der zunehmenden Zahl von Piratenangriffen die Bewaffnung von Handelsschiffen angeregt. Die Schifffahrtsgesellschaften sollten überlegen, ob sie nicht bewaffnete Sicherheitskräfte einstellen sollten, sagte General David Petraeus am Freitag vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Internationale Schifffahrtsverbände lehnen diese Idee jedoch ab. Die Bewaffnung von Frachtern könnte zu einer Eskalation der Gewalt führen.

Der gekaperte deutsche Getreidefrachter «Patriot» wurde in der Meerenge zwischen Somalia und dem Jemen rund 300 Kilometer südöstlich der jemenitischen Küstenstadt Muqalla überfallen, wie die 5. US-Flotte mitteilte. Der Frachter fuhr unter maltesischer Flagge. Die «Patriot» gehört der Hamburger Reederei Johann M.K. Blumenthal, wie aus der Website des Unternehmens hervorgeht. Ein Mitarbeiter von Blumenthal wollte am Telefon nicht zu der Entführung Stellung nehmen.

Andrew Mwangura von der ostafrikanischen Seemannsvereinigung in der kenianischen Hafenstadt Mombasa erklärte, es handle sich um einen Getreidefrachter mit 17 Besatzungsmitgliedern an Bord. Es war zunächst unklar, aus welchem Land die Matrosen stammten.

Jemenitische Küstenwache tötet zwei Piraten

Das jemenitische Innenministerium berichtete am Sonntag von einem weiteren Zwischenfall im Golf von Aden. Die Küstenwache habe bei einem Feuergefecht mit Piraten zwei der Seeräuber erschossen, hiess es. Die Piraten hatten den Angaben zufolge versucht, einen jemenitischen Tanker anzugreifen.

Somalische Piraten haben seit vergangenem Jahr trotz verstärkter internationaler Militärpräsenz in der Region bereits mehr als 100 Schiffe in ihre Gewalt gebracht. Darunter ist auch das deutsche Containerschiff «Hansa Stavanger». Das Schiff der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg war am 4. April von Piraten aufgebracht worden. Der Kapitän und vier leitende Offiziere der «Hansa Stavanger» stammen aus Deutschland. Sie befinden sich immer noch in der Gewalt der Piraten. (dapd)

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