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Neues Museum NürnbergKreuzworträtsel-Grosi geht in die Offensive

Eine 90-jährige Kunstfreundin, die mit einem Kugelschreiber ein Objekt beschädigt hatte, reklamiert nun die Urheberschaft des neuen Werkes für sich.

Die Seniorin setzt sich zur Wehr: Das Kreuzworträtsel ist Teil des Werkes «Reading/Work-Piece» von Arthur Köpcke. (Bild: Arthur Köpcke/VG Bildkunst Bonn 2016)

Die Seniorin setzt sich zur Wehr: Das Kreuzworträtsel ist Teil des Werkes «Reading/Work-Piece» von Arthur Köpcke. (Bild: Arthur Köpcke/VG Bildkunst Bonn 2016)

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Eine Rentnerin hatte Mitte Juli in Nürnberg ein im dortigen Neuen Museum ausgestelltes Kreuzworträtsel-Kunstwerk ausgefüllt und damit für Schlagzeilen gesorgt. Die 90-Jährige hatte in dem mit 80'000 Euro versicherten Werk des 1977 verstorbenen Künstlers Arthur Köpcke mit einem Kugelschreiber mehrere Buchstaben ergänzt. Ihr Anwalt teilt nun mit, dass seine Mandantin durch die Kritzelei ein Urheberrecht am Gemälde habe.

Während die Kriminalpolizei Nürnberg wegen «gemeinschädlicher Sachbeschädigung» ermittelt, geht die Seniorin gemäss der «Süddeutschen Zeitung» in die Offensive. Über ihren Anwalt liess sie erklären, sie habe das Bild nicht beschädigt, sondern nur im Sinne des Fluxus-Künstlers vervollständigt. Damit habe das Objekt eher eine Wertsteigerung erfahren. Im Übrigen habe sie dadurch ein eigenes Urheberrecht an dem Bild erworben. Insgesamt umfasst die an die Kripo Nürnberg geschickte Stellungsnahme der Frau sieben Seiten.

«Belebende Weiterverarbeitung»

Mittlerweile konnte der Schaden am Kunstwerk dank dem Einsatz von Lösungsmittel beseitigt werden. Die Kosten dafür lagen im dreistelligen Bereich, wie das Museum mitteilte. Doch das war für die Kripo bislang kein Grund dafür, die Ermittlungen einzustellen. Gemäss Anwalt sei dies aber lediglich eine Frage der Zeit.

Er sei der Meinung, seine Mandantin habe mittels ihrer «belebenden Weiterverarbeitung» als Einzige begriffen, was der Künstler fordert. Die Museumsdirektorin argumentiert, dass man auch der Mona Lisa nicht einfach einen Schnurrbart malen dürfte, was der Anwalt allerdings ablehnt, da dies nur darauf hindeute, dass es im Museum kein Verständnis für Fluxus gibt.

Ob der Eigentümer des Bildes noch rechtliche Schritte einleiten wird, ist nicht bekannt. Sollte er der Reinigung nicht zugestimmt haben, so könnte auch er Ansprüche gegen das Museum geltend machen. Der verstorbene Künstler selbst hätte keine Anzeige erstattet. Dessen ist sich der Anwalt sicher.

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