03.11.2014 17:33

Separatistenführer SachartschenkoKrieg als Karriereschub

Noch vor wenigen Monaten war er ein kleiner Unternehmer in Donezk. Jetzt nennt sich Alexander Sachartschenko Präsident. Seinen Aufstieg verdankt er dem Ukraine-Konflikt.

von
kmo

Schon am Abend des vom Westen nicht anerkannten Wahlgangs liess sich der vorhersehbare Sieger bejubeln: Der bisherige «Regierungschef» der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk, Alexander Sachartschenko, wurde nach ersten Prognosen mit gut 80 Prozent der Stimmen zum «Präsideneten» gewählt. Seine Partei Republik Donezk soll auf 65 Prozent der Stimmen gekommen sein.

Sachartschenko ist das lokale Gesicht einer Rebellion, die nach Überzeugung Kiews und mehrerer westlicher Regierungen von Moskau orchestriert wird. In seiner offiziellen Biografie betont der gebürtige Donezker, dass sein Vater 30 Jahre als Bergmann gearbeitet habe – wie so viele Menschen im Donbass, dem ukrainischen Kohlerevier. Er selbst war vor Beginn des Ukraine-Konflikts als Unternehmer aktiv. Nach eigenen Angaben verkaufte der 38-Jährige Anfang 2014 sein Geschäft, um die Separatistenbewegung gegen die neue Zentralmacht in Kiew zu finanzieren.

Zweiter russischer Hilfskonvoi überquert Grenze zur Ukraine

Ausrufung der «Volksrepublik»

Kräftig von Statur, pausbäckig und mit grünen Augen war Sachartschenko mit dabei, als die Separatisten im April die Regionalverwaltung von Donezk übernahmen und eine «Volksrepublik» ausriefen. Es war der Beginn eines Konflikts, in dessen Verlauf bis Ende Oktober laut UNO-Angaben über 4000 Menschen getötet wurden und fast eine Millionen Menschen die Flucht ergriffen.

Sachartschenko beteiligte sich an den Gefechten gegen die ukrainischen Streitkräfte, etwa in der Stadt Slawjansk. Zwei Monate dauerte es, bis die Armee die Stadt zurückerobert hatte.

Posten vom Russen Borodai übernommen

Mit dem Konflikt in der Ostukraine bekam Sachartschenkos Karriere Schwung: Im April war er noch Kommandeur der Kampfeinheit «Oplot», die laut «BBC» unter dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch Anfang 2014 gegen die Maidan-Proteste in Kiew eingesetzt wurde. Im Mai wurde Sachartschenko zum Major und kurz darauf zum «Stellvertreter des Innenministers der Volksrepublik Donezk» befördert.

Anfang August trat Sachartschenko dann die Nachfolge des Russen Alexander Borodai als «Ministerpräsident» an. Sachartschenko, der sich als Lenin-Anhänger präsentiert, trat damit die Nachfolge einer ganzen Reihe russischer Staatsbürger an, die zuvor offiziell die Separatisten angeführt hatten.

«Territorien zurückholen»

Sachartschenko dementierte Berichte, wonach unter den «Tausenden Freiwilligen» aus Russland auch Angehörige der russischen Streitkräfte sind. «Wenn Russland Truppen geschickt hätte, würden wir jetzt über Kämpfe in den Vororten Kiews oder über die Eroberung von Lemberg sprechen», sagte er.

Sachartschenko forderte ganz offen die Einverleibung weiterer Gebiete im Südosten der Ukraine, darunter die umkämpfte Hafenstadt Mariupol. «Wir müssen alle Territorien zurückbekommen, die uns gehören. Sei es durch Verhandlungen oder auf anderem Weg», sagte er.

«Keine internationalen Verplflichtungen»

Sachartschenko war dabei, als Anfang September in der weissrussischen Hauptstadt Minsk eine Waffenruhe zwischen Kiew und den Separatisten vereinbart wurde. Er gehörte zu den Unterzeichnern des Dokuments, das fast zwei Monate später noch immer nicht umgesetzt ist.

Dass sein neuer Status als gewählter Präsident ihm international Legitimität verleihen könnte, glaubt Sachartschenko nicht. «Wahrscheinlich werden wir nicht anerkannt werden», sagte er über seine kleine «Volksrepublik». «Einerseits ist das schlecht, andererseits ist es gut, weil es bedeutet, dass wir keine internationalen Verpflichtungen haben.» (kmo/sda)

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