Ausweitung der Zertifikatspflicht - Kriege ich mein Geld zurück, wenn ich nun mein Fitness-Abo kündige? 
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Ausweitung der ZertifikatspflichtKriege ich mein Geld zurück, wenn ich nun mein Fitness-Abo kündige?

Wer sich nicht impfen oder testen lassen will, darf trotz Abo nicht mehr im Gym trainieren. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zertifikatspflicht in Fitnesscentern.

von
Daniel Krähenbühl
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Einlass nur noch für Geimpfte, Getestete und Genesene: Der Bundesrat weitet die Zertifikatspflicht auch auf Fitnesscenter aus.

Einlass nur noch für Geimpfte, Getestete und Genesene: Der Bundesrat weitet die Zertifikatspflicht auch auf Fitnesscenter aus.

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Wer nicht in Besitz eines Covid-Zertifikats ist, hat das Nachsehen. 

Wer nicht in Besitz eines Covid-Zertifikats ist, hat das Nachsehen.

20min/Marco Zangger
Laut dem Rechtsanwalt Alexander Theiler habe jeder die Möglichkeit, weiterhin das Studio zu besuchen – auch diejenigen, die sich nicht impfen lassen.

Laut dem Rechtsanwalt Alexander Theiler habe jeder die Möglichkeit, weiterhin das Studio zu besuchen – auch diejenigen, die sich nicht impfen lassen.

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Darum gehts

  • Ab Montag gilt in den Fitnessstudios eine Zertifikatspflicht.

  • Dabei stellen sich Personen ohne Zertifikat viele Fragen.

  • Rechtsanwalt Alexander Theiler von der Zürcher Kanzlei Theiler Hablützel Rechtsanwälte beantwortet die wichtigsten rechtlichen Fragen.

  • Während der Fitnessverband mit Einbussen rechnet, tippt der Fitnessbetreiber Raphy Biedermeier auf einen Boom bei Outdoor-Bootcamps.

Ab Montag ist ausgepumpt: Fitness-Fans, die nicht geimpft, genesen oder getestet sind, ist der Zugang zu Fitnesscentern untersagt. Gewisse Betriebe, wie etwa das Nonstop Gym, haben bereits reagiert: Das Fitnesscenter fordert seine Kundschaft dazu auf, das Covid-Zertifikat hochzuladen, um den Zugang zum Fitness zu sichern. Auch Activ Fitness bietet die Möglichkeit an, das Covid-Zertifikat zu hinterlegen. Dies ermögliche es, ohne weitere Prüfung ins Studio einzuchecken. Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass das Abo für eine Gebühr von 50 Franken pausiert werden kann. Für Kundinnen und Kunden bleiben jedoch noch viele weitere Fragen offen:

Müssen auch unter 16-Jährige in Fitnesscentern ein Zertifikat vorlegen?

Nein, die Zertifikatspflicht gilt nur für Personen ab 16 Jahren.

Kann ich mein Fitness-Abo jetzt vorzeitig kündigen? Bekomme ich dann mein Geld zurück?

«Nein, dies ist nicht möglich», sagt Rechtsanwalt Alexander Theiler von der Zürcher Kanzlei Theiler Hablützel Rechtsanwälte. «Rechtlich gesehen ist nämlich die Leistung des Fitnessstudios nicht ‹unmöglich› geworden, weil dieses ja weiterhin geöffnet bleibt.» Jeder habe die Möglichkeit, weiterhin das Studio zu besuchen – auch diejenigen, die sich nicht impfen lassen. Diese müssten jedoch einen negativen Test vorweisen oder durch ein Zertifikat beweisen, dass sie genesen seien. «Dass dafür möglicherweise Kosten anfallen, liegt nicht im Verantwortungsbereich der Fitnessstudios», so Theiler.

Kann ich mein Fitness-Abo auch pausieren?

«Manche Fitnessstudios sehen in ihren Allgemeinen Vertragsbedingungen (AGB) vor, dass das Abo unter gewissen Voraussetzungen pausiert werden kann», sagt Theiler. Dies beispielsweise dann, wenn ein Kunde ein ärztliches Zeugnis vorlege, welches bescheinige, dass ein Training aus ärztlicher Sicht nicht möglich sei oder wenn der Kunde im Militärdienst ist. «Analog zu oben stehender Frage berechtigt jedoch die aktuelle Situation nicht zur Pausierung des Abos.»

Kann ich mein Fitness-Abo verkaufen oder einer anderen Person überschreiben?

Dies sei meistens bereits in den AGBs der Fitnessstudios geregelt und habe mit der aktuellen Situation nichts zu tun, sagt Theiler. «Zwar sind vertragliche Rechte und Pflichten grundsätzlich übertragbar, doch haben die Fitnessstudios in Ihren ABGs standardmässig geregelt, dass das Fitness-Abo bzw. die Mitgliedschaft im Fitnessstudio persönlich und nicht übertragbar ist.»

Darf der Fitnessbetreiber die Corona-Risiken in den AGBs auf den Kunden abwälzen?

«Grundsätzlich sind Regelungen, welche Konsumenten erheblich benachteiligen, bereits heute unlauter und daher ungültig», sagt Theiler. «Deshalb dürfte eine Regelung, welche sämtliche Risiken bei einem längeren Lockdown voll auf den Kunden abwälzt, wahrscheinlich ungültig sein.»

Während der Dauer eines Vertrages – also auch eines Fitness-Abos – sei es grundsätzlich möglich, geltende AGBs zu ändern. Jedoch müsse der Kunde innert einer angemessenen Frist die Möglichkeit haben, die neuen Bestimmungen abzulehnen. «Er muss dies jedoch in der Regel aktiv dem Fitnessstudio mitteilen, ansonsten gelten die neuen Bestimmungen.»

Brauche ich für meinen Termin beim Physiotherapeuten auch ein Zertifikat?

«Nein, Physiotherapien sind von der neuen Regelung über die Zertifikationspflicht nicht erfasst», so Theiler. Für den nächsten Termin beim Physio ist daher kein Zertifikat nötig.

Müssen auch Mitarbeitende in einem Fitnesscenter über ein Zertifikat verfügen?

Nein. Aber der Arbeitgeber kann ein entsprechendes Zertifikat verlangen und er darf dieses bei seinen Arbeitnehmenden auch überprüfen, wenn dies der Festlegung angemessener Schutzmassnahmen oder der Umsetzung des Testkonzepts dient. Zwischen ungeimpften und genesenen sowie ungeimpften Arbeitnehmenden darf es zu keiner Diskriminierung kommen.

Mit welchen Auswirkungen rechnen Fitnessbetreiber?

Claude Ammann, Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands, rechnet mit hohen Einbussen: «Wir gehen davon aus, dass wir rund 20 bis 25 Prozent unserer Kundschaft verlieren

Andere, etwa Raphy Biedermann, Inhaber des nextlevel Sports Club, rechnet mit einem grösseren Interesse bei Outdoor-Angeboten wie etwa Bootcamps. «Da Personen ohne Zertifikat fürs Umziehen oder Duschen nicht in die Garderobe dürfen, gibt es jedoch noch organisatorische Fragen zu klären.» Dass sie sich im Kerngeschäft vor allem auf Personal Training und Gruppenkurse mit maximal zehn Teilnehmenden konzentrieren, sieht er als potentiellen Vorteil: «Wenn es bei Gruppen unter 30 Personen voraussichtlich keine Zertifikatspflicht geben sollte, wären wir sicherlich gut positioniert.» Zahlreiche Personen, die bisher in herkömmlichen Fitnesscenter trainierten, würden in diesem Falle schliesslich eine Alternative suchen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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