«European Campus»: Kriegen Basler eine Erasmus-Hintertür?
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«European Campus»Kriegen Basler eine Erasmus-Hintertür?

Am Oberrhein soll ein Forschungsraum ohne Grenzen entstehen. Mittendrin ist auch die Uni Basel. Das würde für Studierende neue Perspektiven eröffnen.

von
bro
Entlang des Oberrheins soll eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Unis entstehen.

Entlang des Oberrheins soll eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Unis entstehen.

An der Uni Basel ist man vom Vorpreschen der Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg etwas überrascht. Dieses hat am Freitag ein Communiqué veröffentlicht, das den Start eines neuen Projekts verkündet. Unter dem Namen «European Campus» könnte dieses «grenzüberschreitend die Potenziale und Kompetenzen von über 130 wissenschaftlichen Einrichtungen vernetzen, die zu einem Wissenschafts- und Forschungsraum ohne Grenzen und mit internationaler Ausstrahlung heranwachsen», so die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Beteiligt am Mega-Projekt sind die Universitäten in Basel, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse und Strasbourg, also die Mitgleider der Europäischen Konföderation der Oberrheinischen Universitäten (EUCOR).

Beat Münch, EUCOR-Beauftragtee der Uni Basel, bestätigt Verhandlungen über ein solches Projekt. «Grundsätzlich ist dies eine positive Entwicklung», sagt er. Diese stelle die Autonomie der Uni Basel nicht infrage, sondern verstärke die schon jetzt bestehende Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Hochschulen. Er gibt aber zu bedenken, dass das Abstimmungsresultat für die Uni Basel erheblichen Einfluss auf die Teilnahme an diesem Projekt haben könnte: «Vieles davon stellt auf EU-Mittel ab, deshalb ist der weitere Verlauf noch unklar», so Münch. Das Vorhaben ist auf das 2014 startende 8. Forschungsrahmenprogramm mit dem Titel «Horizon 2020», aus dem die Schweiz aufgrund der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vorerst ausgeschlossen wurde.

Erasmus+ in Zukunft wieder möglich?

Dem widerspricht das Ministerium für Wissenschaft in Baden-Württemberg. «Sollte es gelingen, den European Campus gemeinsam mit der Universität Basel als juristische Person zu implementieren, könnten mittelfristig möglicherweise Studierende aus der Schweiz über den European Campus als Gasteinrichtung an Erasmus+ teilnehmen», teilt Sprecher Arndt Oschmann auf Anfrage mit. Dies sei allerdings noch eine sehr in die Zukunft gerichtete Perspektive.

Im Dreiländereck besteht durch die EUCOR-Unis ein riesiges Wissenschaftszentrum mit rund 11'000 Wissenschaftern und über 100'000 Studierenden. Schon jetzt herrscht ein Austausch zwischen den Universitäten der drei Staaten. Zur Anschubförderung stehen den deutschen und französischen Universitäten 715'000 Euro für die Jahre 2013 und 2015 bereit, wie es in der Mitteilung heisst. «Weitere 117'500 Euro stellt unser Haus zur Verfügung, die restlichen Mittel möchte die Universität Strasbourg seitens der französischen Republik einwerben», so Oschmann.

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