Nach EU-Urteil: Kriegen wir jetzt den «Gentech»-Honig?
Aktualisiert

Nach EU-UrteilKriegen wir jetzt den «Gentech»-Honig?

Honig mit genveränderten Rückständen wird in der EU faktisch verboten. Die Schweiz droht zum bevorzugten Absatzland zu werden.

von
Urs P. Gasche
infosperber.ch
Ein bayerischer Bienenzüchter hat sich vor dem EU-Gerichtshof durchgesetzt.

Ein bayerischer Bienenzüchter hat sich vor dem EU-Gerichtshof durchgesetzt.

Unlängst hat der oberste Gerichtshof der Europäischen Union (EU) ein folgenschweres Urteil gefällt. Vordergründig ging es zwar nur um Honig und um Blütenpollen als Nahrungsergänzung: Sie dürfen künftig nur noch mit einer speziellen Bewilligung und entsprechender Deklaration in den Verkauf kommen, sofern der Honig oder die Blütenpollen auch nur Spuren von gentechnisch veränderten Pollen enthalten.

Doch Bienen suchen ihre Nektarquellen in einem Umkreis von mehr als vier Kilometern. Entsprechend gross muss künftig der Abstand von Feldern sein, auf denen genveränderte Pflanzen wachsen. «Das ist das Ende der gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU», freut sich der deutsche ökologische Imkerverband Mellifera, der die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof im Namen eines bayrischen Bienenzüchters geführt hat.

«Weitreichende Folgen»

Dieser hatte im Jahr 2005 in seinem Honig DNA des genveränderten Futtermais Mon 810 nachgewiesen. Die deutsche Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU) hält die Folgen dieses Urteils immerhin für «weitreichend». Die Nulltoleranz gilt demnach ohne Ausnahme, also auch wenn die Verunreinigung unbeabsichtigt geschah. Das Urteil des EU-Gerichts erleichtert es Honigproduzenten, für Honig mit Spuren von gentechnisch veränderten Pollen zivilrechtlich Schadenersatz zu erstreiten.

Der meiste Honig mit genveränderten Rückständen stammt allerdings nicht aus Europa, sondern aus Süd- und Nordamerika, wo gentechnisch veränderte Pflanzen verbreiteter sind. Deutsche Imkerverbände glauben, dass etliche Honigsorten aus den Regalen der Supermärkte verschwinden oder mit einer besonderen Deklaration versehen werden müssten. Solche Deklarationen würden viele Konsumenten vom Kauf abhalten, befürchtet der Detailhandel – selbst wenn es keine Indizien für eine Gesundheitsgefährdung gibt.

BAG verfolgt Entwicklungen

In der Schweiz darf Honig ohne spezielle Deklaration verkauft werden, sofern er nicht mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Pollen enthält. Sobald die EU-Kommission das Urteil des Europäischen Gerichtshofs umsetzt und eine Null-Toleranz vorschreibt, könnten Importeure die leicht kontaminierten Honige vorzugsweise in die Schweiz und andere Nicht-EU-Länder kanalisieren. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) scheint sich dieses Risikos bewusst zu sein: «Wir werden die Entwicklungen verfolgen und gegebenenfalls die geltenden Regelungen überprüfen», erklärt Nora Meyer von der Abteilung Verbraucherschutz.

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