Vergnügungsdiplomatie: Kriegsspiele im Iran-Garten

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VergnügungsdiplomatieKriegsspiele im Iran-Garten

An der Südgrenze Libanons hat der Iran einen Vergnügungspark inklusive Paintballfarm finanziert. Wochenendkrieger können dort immer wieder den «israelischen Aggressor» besiegen.

von
kri

Das libanesische Dorf Maroun al-Ras hat in seiner Geschichte viel Krieg gesehen. Rund einen Kilometer von Israels Nordgrenze entfernt, geriet es 1977 zwischen die Fronten des libanesischen Bürgerkriegs. 2006 lieferten sich hier die Hisbollah-Miliz und israelische Soldaten heftige Gefechte. Als die Kämpfe damals eingestellt wurden, war umstritten, welche der Konfliktparteien das Dorf kontrollierte.

Im Moment geht es in Maroun al-Ras beschaulich zu und her, nicht zuletzt dank einem reichlichen Freizeitangebot: Grillplätze, Kletterwände, Pferdereiten und vieles mehr. Möglich gemacht hat dies die iranische Regierung. Zu Ehren der Hisbollah-Miliz, die in Maroun al-Ras den übermächtigen israelischen Truppen Paroli bot, hat sie den Bau eines Vergnügungsparks finanziert. Präsident Ahmadinedschad persönlich hat den «Iran-Garten» anlässlich eines Besuchs im vergangenen Oktober eingeweiht.

Völlig uneigennützig war die Schenkung selbstverständlich nicht. Iran liess im Park auch eine Kopie des Felsendoms in Jerusalem errichten. Zuoberst auf dessen goldener Kuppel weht (wie unheilig) die iranische Fahne – aufgrund der erhöhten Lage von Maroun al-Ras immer in Sichtweite der israelischen Siedler auf der anderen Seite der Grenze. Israels Angst, wegen der Sonderstellung der pro-iranischen Hisbollah im Norden faktisch an Iran zu grenzen, wird so plastisch greifbar.

Nicht alle können Widerstandskämpfer sein

Ebenfalls freuen dürfte die Machthaber in Teheran, dass in ihrem Park das Heldentum der verbündeten Hisbollah-Miliz immer wieder von neuem in Szene gesetzt wird: Auf der Paintballfarm teilen sich Freizeitkrieger in Widerstandskämpfer und israelische Soldaten auf, verstecken sich hinter Barrikaden und in Schützengräben und beschiessen einander mit Farbpatronen. Wie sie Freund von Feind unterscheiden, ist indessen unklar: Alle tragen dieselben Uniformen mit der Aufschrift «NYPD» (New York Police Department) und Kalaschnikows nachempfundene Gewehre.

Am vergangenen Sonntag gaben sich laut der libanesischen Tageszeitung «The Daily Star» wieder dutzende Libanesen, viele von ihnen aus dem Ausland, den Kriegsspielen hin. Abbas, zu Besuch aus der Elfenbeinküste, sagte: «Wir wollten zum Ausdruck bringen, was uns der Sieg der Widerstandskämpfer gegen Israel bedeutet. Also schiessen wir aufeinander und natürlich wird der Widerstand Israel besiegen.»

Genau wie er es voraussagte, verlor das Team Israel eine Schlacht nach der anderen. Ali Sabrawi aus der südlibanesischen Küstenstadt Tyros hatte das Pech, einen israelischen Soldaten spielen zu müssen: «Wir alle sollten Widerstandskämpfer sein, aber letztlich muss es einen Feind geben, gegen den man kämpfen kann», sagte er gegenüber «The Daily Star».

Auch andere Parkbesucher fühlen sich von der Nähe zu Israel beflügelt. «Dieser Ort ist wunderbar», schwärmte eine Frau. «Wir hätten niemals gedacht, dass wir eines Tages hier in völliger Sicherheit Fleisch grillen und Wasserpfeife rauchen können.» Das sei Widerstand, sagte sie.

Der Iran-Garten in Maroun al-Ras im Südlibanon:

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