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Gelder fliessen abKrim-Krise schreckt Schweizer Investoren ab

Glaubten viele Schweizer Firmen noch bis vor Kurzem an den Zukunftsmarkt Russland, ist nun Ernüchterung eingekehrt. Aus Angst haben Investoren schon 70 Milliarden Dollar abgezogen.

von
Arno Meili
Vladimir Putin erklärt die Krim zu einem Teil Russlands.

Vladimir Putin erklärt die Krim zu einem Teil Russlands.

Die russische Regierung rechnet aufgrund der Krim-Krise mit massiven Kapitalabflüssen. Vizewirtschaftsminister Andrej Klepach erwartet laut der «Financial Times», dass im ersten Quartal bereits bis zu 70 Milliarden US-Dollar aus Russland abgezogen wurden. Das würde bedeuten, dass innerhalb von drei Monaten mehr Geld das Land verlassen hätte als im gesamten letzten Jahr.

«Am stärksten verunsichert Investoren derzeit die Möglichkeit von verschärften wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland», sagt Chris Weafer von der Moskauer Beratungsfirma Macro Advisory. Die bisherigen Sanktionen seien eher harmlos gewesen, das nächste Sanktionspaket dürfte aber Wirtschaft und Handel treffen.

Davon betroffen wären auch Schweizer Investoren. Gemäss Rosstat flossen 2012 schweizerische Investitionen in Höhe von 46,8 Milliarden Dollar nach Russland. Die Schweiz ist damit laut der Schweizerischen Nationalbank der zwölftwichtigste ausländische Investor in Russland.

Weitere Sanktionen würden auch Firmen treffen

«Es ist sehr wahrscheinlich, dass weitere Sanktionen einen negativen Einfluss auf das Engagement von Schweizer Firmen in Russland haben werden», sagt Michael Derrer, der mit seiner Firma Ascent Swiss Business Management Firmen bei der Expansion nach Russland berät. Ausserdem würden Firmen, die eine geschäftliche Tätigkeit in Russland ins Auge gefasst haben, nun erst einmal abwarten. Für sein Seminar über Exporte nach Russland im April beträgt die Anzahl Anmeldungen nur ein Drittel der Teilnehmerzahl der vergangenen Jahre.

Derzeit sind bei der Schweizer Botschaft in Moskau rund 200 in Russland tätige Schweizer Unternehmen gemeldet. Russische Quellen sprechen von zirka 600 Firmen mit schweizerischer Kapitalbeteiligung. Grösste Investoren sind Nestlé SA, ABB, Holcim und Firmen des Finanzdienstleistungssektors. Die Schweizerische Nationalbank beziffert den Bestand der schweizerischen Direktinvestitionen in Russland per Ende 2012 auf 12,548 Milliarden Franken, was in Russland zu 73'000 Jobs geführt hat.

Deutsche Firmen haben bereits reagiert

Laut Marc Buser, Russland-Kenner bei Switzerland Global Enterprise, gehört das Anlocken von ausländischen Firmen zu den zentralen strategischen Anliegen der russischen Regierung. «Russland ist enorm abhängig von seinen Importen, weshalb man in Zukunft vermehrt lokal produzieren will.» Die Ereignisse der letzten Wochen hätten aber ein Klima der Unsicherheit kreiert und die Attraktivität des russischen Markts für Schweizer Unternehmen geschmälert.

Auf die Krim-Krise bereits reagiert haben deutsche Firmen. Nach Angaben der Wirtschaftsberatung KPMG ziehen derzeit viele deutsche Unternehmen ihr Geld aus Russland ab. Wie Spiegel Online schreibt, haben deutsche Firmen in der Vergangenheit rund 20 Milliarden Euro in Russland investiert.

Russland sagt vierte Anleiheauktion in Folge ab

Der Kreml hat am Dienstag die vierte Auktion von Staatsanleihen in Serie abgesagt. In einer auf der Internetseite veröffentlichten Mitteilung begründet das Finanzministerium die Entscheidung mit «unvorteilhaften Marktbedingungen».

Investoren ziehen massiv Kapital aus Russland ab, das treibt die Zinsen in die Höhe. Russische Experten sagen jedoch, dass das Land derzeit nicht auf frische Mittel angewiesen sei. Dmitry Dudkin, der die Anleihenanalyse des Finanzunternehmens UralSib in Moskau leitet, erklärte, die Regierung könne bis zur Jahresmitte ohne Anleiheauktionen auskommen.

(SDA)

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