Kriminalstatistik 2006: Jugendgewalt steigt
Aktualisiert

Kriminalstatistik 2006: Jugendgewalt steigt

Die gute Nachricht: Die Kriminalitäts- und Unfallrate ist rückläufig. Die schlechte: Bei der Jugendgewalt ist es umgekehrt - diese Delikte haben zugenommen.

Auch «Jugend und Gewalt» ist ein Thema bei der Kriminalstatistik 2006 der Stadtpolizei Bern. Leider trübt es die rückgängige Kriminalitäts- und Unfallrate.

Im Jahr 2006 wurden gut 20'000 Straftaten begangen – in der Bilanz der Stadtpolizei Bern bedeutet dies einen Rückgang der Kriminalität um knapp 50 Prozent. Auch im Strassenverkehr gingen die Zahl der Unfälle zurück.

Aber in anderen Bereichen ist die Entwicklung gegenläufig: Plus 40 Prozent bei Überfällen, Körperverletzungen oder Raub, plus 47 Prozent im Bereich Drohung, Nötigung oder häuslicher Gewalt.

Der Stadtpolizei-Kripochef Florian Walser spielt in einem Interview mit Radio DRS die Zahlen runter: «Die Zahl der Interventionen hat deutlich zugenommen. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Gewalttaten zugenommen haben, sondern dass es die Sensibilisierung ist, die sich verstärkt hat. Die Betroffenen und auch die Bevölkerung kontaktieren früher die Polizei und dadurch haben wir eine Zunahmen der gemeldeten Straftaten in diesen Bereichen.»

Und was bewirkt die Arbeit der Polizei im Bereich der häuslichen Gewalt damit Anzahl der tatsächlichen Delikte kleiner wird?

Florian Walser meint dazu: «Das ist unsere feste Hoffnung, dass das so ist. Leider müssen wir im Moment eine gegenläufige Entwicklung feststellen, die Zahl der Interventionen nimmt zu.»

Auch «Gewalt gegen Leib und Leben» und «Gewalt gegen Freiheit» hat in der statistisch erfassten Kriminalität einen Anteil von gut sechs Prozent erreicht. Sie macht der Polizei grosse Sorgen.

Es zeigt sich, dass die Urheber dieser Delikte in erster Linie junge Leute mit hoher Gewaltbereitschaft sind. Die Stadtpolizei Bern will gezielt dagegen vorgehen.

Worauf wird in Zukunft das Augenmerk gelegt? Dazu Florian Walser: «Wir haben unseren Jugenddienst verstärkt und reorganisiert, denn wir wissen, dass ein Grossteil dieser Täter im Bereich von Jungendlichen oder jungen Erwachsenen zu suchen ist – wir setzen dort einen Schwerpunkt.»

Und was nützt das? Die Erwartungen vom Stadtkripo-Chef sind klar: «Ich bin fester Überzeugung, dass dies eine Wirkung zeigen wird. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklungen wieder zurückgehen werden – doch man kann nicht einfach warten, bis es auch tatsächlich zurückgeht sondern man muss aktiv sein. Die Arbeit, die man mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen macht, hilft, dass man später mit diesen Personen als Erwachsene weniger zu tun hat.»

Die Polizei setzt den Schwerpunkt auf auf Vertrauen und Sicherheit. In der Innenstadt ist sie vermehrt präsent, sei es bei Demonstrationen oder grossen Sportanlässen.

Florain Walser: «Das ist die berühmte Nadel im Heuhaufen. Wenn man sieht, wie viele von diesen Fällen es gibt, müsste man eigentlich eine doppelte Präsenz über 24 Stunden haben. Dann hätten wir immer noch kein Gewähr, dass man auch wirklich die schlimmen Verbrechen verhindern kann. Wer etwas vorhat, der wird rechts uns links schauen und wenn er die Polizei sieht, dann wird er eine Viertelstunde warten und es halt dann machen, wenn die Beamten wieder weg sind. Das zeigt, wie schwierig es ist, gegen diese Entwicklung vorzugehen.»

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