Horgen ZH: Kriminaltourist darf bald wieder nach Hause
Aktualisiert

Horgen ZHKriminaltourist darf bald wieder nach Hause

Ein Kriminaltourist aus dem Kosovo hat bei 19 Einbrüchen Beute für über 210 000 Franken gemacht. Wofür der Profidieb am Bezirksgericht Horgen eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten kassierte. Am Dienstag gab es am Obergericht einen Rabatt von sechs Monaten weniger.

von
Attila Szenogrady

Es war am 14. Januar 2010, als die Aargauer Kantonspolizei in der Gemeinde Kölliken zwei Kosovo-Albaner nach einem Einbruch in eine Wohnung in flagranti erwischte und mit einer ansehnlichen Beute für rund 43 000 Franken verhaftete. Die Ermittlungen ergaben, dass die beiden Männer schon seit Frühjahr 2009 vor allem im Zürichsee-Gebiet als Einbrecher unterwegs waren. Als Haupttäter galt ein heute 38-jähriger Arbeitsloser. Er hatte bereits im Februar 2007 am Bezirksgericht Zürich wegen gewerbsmässigen Diebstahls eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten kassiert. Die Hälfte davon unbedingt.

210 000 Franken erbeutet

Der Kosovo-Albaner liess sich nicht abschrecken und kehrte im Januar 2009 in die Schweiz zurück. Kaum war er angekommen, betätigte er sich wieder als Profieinbrecher. Als Tatobjekte bevorzugte er Eigentumswohnungen, wobei er sich jeweils mit einem Schraubenzieher oder einem Flachwerkzeug Zugang in die Räumlichkeiten verschaffte.

Der Rückfalltäter gab insgesamt 19 Einbrüche zu. Dabei hatte er insgesamt Bargeld und Gegenstände für über 210 000 Franken erbeutet. In der Zürichsee-Region schlug er im Bezirk Horgen, aber auch in Jona und Pfäffikon (SZ) zu. Alleine bei einem Einbruch in Jona erbeutete der Kriminaltourist diverse Wertsachen für rund 13 500 Franken.

Horgner Urteil angefochten

Im letzten Dezember musste sich der dreifache Familienvater zunächst am Bezirksgericht Horgen verantworten. Dort kassierte er anklagegemäss eine unbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Zudem widerrief das Landgericht eine ehemals bedingte Vorstrafe von 13 Monaten. Die Verteidigung focht das Urteil an und verlangte am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht eine deutliche Strafsenkung auf noch 22 Monate. Zudem einen Verzicht auf den Widerruf der früheren Bewährungsstrafe.

Der Angeklagte zeigte sich bei der Befragung wortkarg und gab ein plausibles Tatmotiv an: Geldmangel. Er sitze nun schon seit 663 Tagen im Gefängnis und fertige täglich Badestühle an, sagte er.

Sechs Monate Rabatt

Nach dem Urteil des Obergerichts war klar, dass der Kriminaltourist bald wieder nach Hause darf. Voraussichtlich im kommenden Januar. So hatten die Oberrichter die Horgner Hauptstrafe um sechs Monate auf neu 24 Monate gesenkt. Vor allem im Hinblick auf den Mittäter, der in Horgen lediglich eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten erhalte hatte. Der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess sprach von einer grossen Portion Glück für den Beschuldigten. So wäre die Horgner Strafe von 30 Monaten nicht völlig daneben gewesen. Allerdings sei diese im Vergleich zum Mitbeschuldigten etwas zu hoch ausgefallen.

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