Besorgniserregender Trend: Kriminaltouristen mit Panzerfaust
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Besorgniserregender TrendKriminaltouristen mit Panzerfaust

Das Grenzwachtkorps schlägt Alarm: Immer mehr Verbrechen werden von Kriminaltouristen begangen, die zudem bis an die Zähne bewaffnet und äusserst gewaltbereit sind.

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Banküberfall-Übung der Tessiner Kantonspolizei in Zusammenarbeit mit einer Bank in Novazzano.

Banküberfall-Übung der Tessiner Kantonspolizei in Zusammenarbeit mit einer Bank in Novazzano.

Jürg Noth, Chef des Schweizerischen Grenzwachtkorps (GWK), warnt vor französischen Kriminaltouristen, die in der Schweiz Banken, Uhrenfabriken und Uhrenmuseen überfallen. «Die Täter gehen immer gewalttätiger und rücksichtsloser vor», sagt er im Interview der «NZZ am Sonntag». "Sie seien mit Sturmgewehren, Maschinenpistolen und sogar Panzerfäusten bewaffnet und setzten diese auch ein. In einem Fall habe sich eine Bande sogar mit Sprengstoff Zugang zu einer Bank verschafft.

Die Banden stammen vor allem aus den Vorstädten von Lyon, ihre Mitglieder sind meistens französische Staatsangehörige nordafrikanischer Herkunft. Bis jetzt haben sie ihre Überfälle vor allem in der Westschweiz und im Tessin verübt. Sie sind vermehrt aber auch in der Nordwestschweiz tätig, wie Jürg Noth weiter sagt. Die schweren Raubüberfälle haben in den letzten Monaten zugenommen.

Helikopter-Einsätze jenseits der Grenze

Wegen der wachsenden grenzüberschreitenden Kriminalität ergreift das Grenzwachtkorps jetzt Massnahmen: Es schult sein Personal speziell gegen die gewalttätigen Banden und setzt in der Westschweiz und im Tessin zusätzliche Grenzwächter ein. Daneben schafft es neue Schutzwesten und neue Strassensperren sowie zusätzliche Videokameras an. Schliesslich greift es im Kampf gegen die Kriminaltouristen vermehrt auf Helikopter und Drohnen zurück. Erstere können in Absprache mit den ausländischen Behörden sogar jenseits der Grenze eingesetzt werden.

Der Kriminaltourismus in die Schweiz hat in den letzten Jahren zugenommen, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. 2009 wurden rund 11 300 Ausländer, die keine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung in der Schweiz hatten, einer Straftat beschuldigt. 2010 stieg die Zahl auf 11 900, im letzten Jahr auf 12 800. Die meisten Täter stammen aus Frankreich und Rumänien. Aus Rumänien stammen unter anderem sogenannte Skimming-Banden; Skimming nennt man Betrügereien mit gefälschten Bancomat- und Kreditkarten. Auch diese haben in letzter Zeit zugenommen; das Grenzwachtkorps greift laut Noth mindestens einmal pro Woche eine Skimming-Bande auf.

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