Aktualisiert 21.04.2014 11:33

Mendrisio TI

Kriminaltouristen überfordern Tessiner

Gut organisiert und skrupellos: Einbrecherbanden aus dem Ausland machen der Sonnenstube der Schweiz zu schaffen. Nun fordern Tessiner Politiker Strassensperren.

von
ale

Im Süden der Schweiz geht die Angst um, denn das Vorgehen der Kriminaltouristen wird immer kaltblütiger: «Einbrecher haben wir schon seit einigen Jahren. Doch ihre Vorgehensweise hat sich in den letzten Monaten geändert. Die Täter scheuen den Kontakt zu den Opfern nicht mehr», sagt Carlo Croci (51), Gemeindepräsident von Mendrisio TI gegenüber dem «Blick». Die Räuber seien besser organisiert und würden auch einbrechen, wenn die Bewohner Zuhause sind. «Die Bevölkerung hat Angst. Wir müssen etwas machen.»

Im März schreibt der Gemeindepräsident deshalb einen Brief an Bern, mit den Unterschriften von 17 weiteren Bürgermeister der Region. Sie fordern: «Schliesst die kleinen unbewachten Grenzübergänge! Unterstützt unsere Kapo und Gemeindepolizei! Wir schaffen es nicht mehr allein! Unsere Bevölkerung ist am Limit!»

Kaum Hilfe für das Tessin

Die Antwort aus Bern ist ernüchternd: «Unser Zollgesetz erlaubt die Schliessung öffentlicher Fahr­strassen nicht. Zudem würde dies gegen das ­Abkommen von Schengen ver­stossen.», erklärt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Die Finanzministerin kündigt aber bereits erste Massnahmen an:«Zurzeit werden 20 italienischsprachige Grenz­wächter ausgebildet und 2015 im Tessin eingesetzt». Mehr Hilfe können die Tessiner aber nicht erwarten, der Bunderat muss 300 Millionen Franken an Personalausgaben einsparen.

Croci fühlt sich allein gelassen: «Wir sind enttäuscht. Der Brief ist zwar korrekt. Aber was nützt es uns? Eine Ausnahmesituation braucht eine Ausnahmeregelung. Wir hatten so grosse Hoffnung in Bern gesetzt.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.