Luxusware – Fälschungsmafia flutet Online-Handel mit Handtaschen und Uhren

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LuxuswareFälschungsmafia flutet Online-Handel mit Handtaschen und Uhren

Wer online Secondhand-Taschen von Designermarken wie Louis Vuitton kauft, muss aufpassen: Der Handel mit gefälschten Luxusartikeln boomt, und Fälschungen lassen sich kaum vom Original unterscheiden.

von
Christina Pirskanen
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Das Secondhand-Unternehmen «Luxury for you» hat in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Aargau rund zwei Dutzend Markenartikel überprüft. Rund 80 Prozent waren Fälschungen. (Im Bild: Links das Original, rechts die Fälschung)

Das Secondhand-Unternehmen «Luxury for you» hat in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Aargau rund zwei Dutzend Markenartikel überprüft. Rund 80 Prozent waren Fälschungen. (Im Bild: Links das Original, rechts die Fälschung)

Luxury for you
Gemäss Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit wurden im Jahr 2021 5959 Gegenstände mit einem Wert von 46,9 Millionen Franken beschlagnahmt. Im Vergleich: 2018 waren es noch 1686 Gegenstände im Wert von 18,9 Millionen Franken. (Im Bild: Links das Original, rechts die Fälschung)

Gemäss Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit wurden im Jahr 2021 5959 Gegenstände mit einem Wert von 46,9 Millionen Franken beschlagnahmt. Im Vergleich: 2018 waren es noch 1686 Gegenstände im Wert von 18,9 Millionen Franken. (Im Bild: Links das Original, rechts die Fälschung)

Luxury for you
Die Strafverfolgungsbehörden stellen einen generellen Anstieg von Delikten im Zusammenhang mit Internet-Kleinanzeigen fest, schreibt die Staatsanwaltschaft Aargau auf Anfrage. Wer absichtlich gefälschte Waren verkauft, muss mit einem möglichen Strafmass von Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe rechnen. (Im Bild: Links das Original, rechts die Fälschung)

Die Strafverfolgungsbehörden stellen einen generellen Anstieg von Delikten im Zusammenhang mit Internet-Kleinanzeigen fest, schreibt die Staatsanwaltschaft Aargau auf Anfrage. Wer absichtlich gefälschte Waren verkauft, muss mit einem möglichen Strafmass von Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe rechnen. (Im Bild: Links das Original, rechts die Fälschung)

Luxury for you

Darum gehts

Fälschungen von Markenwaren sind schon seit vielen Jahren ein lukratives Geschäft. Die Luxusbranche bringt häufig Kriminelle auf den Plan. Dank Facebook-Marketplace und Co. ist es für die Betrüger und Betrügerinnen noch einfacher geworden, ihre Fake-Artikel an ahnungslose Opfer zu bringen.

Das Secondhand-Unternehmen «Luxury for you» hat in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Aargau rund zwei Dutzend Markenartikel überprüft, welche zuvor bei einer beschuldigten Person beschlagnahmt worden waren – und kam zum Schluss, dass es sich bei 80 Prozent um Fälschungen handelte.

Markanter Anstieg gefälschter Gegenstände

«Heutzutage ist es sehr schwierig, Fälschungen zu erkennen», sagt Patricia van Dam, Geschäftsführerin von «Luxury for you». Das Unternehmen bietet seit bald zwölf Jahren Secondhand-Markenartikel an und ist Mitglied des Vereins «Stop Piracy», der sich für die Sensibilisierung und Aufklärung rund um Fälschungen und Piraterie einsetzt.

Die neusten Zahlen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit zeigen eine markante Zunahme bei der Einfuhr gefälschter Gegenstände: 2021 wurden 5959 Gegenstände mit einem Wert von 46,9 Millionen Franken beschlagnahmt. Im Vergleich: 2018 waren es noch 1686 Gegenstände im Wert von 18,9 Millionen Franken. Der Grossteil der gefälschten Gegenstände waren Handtaschen, Portemonnaies, Uhren oder Bekleidung, die vorwiegend aus China, der EU und der Türkei in die Schweiz eingeführt worden waren.

Mafiaähnliche kriminelle Netzwerke

Die gefälschten Artikel stammten oftmals aus grossangelegten Produktionen, die einer organisierten Verbrecherbande unterstellt seien, meint van Dam. Die Banden beteiligten sich jedoch nicht nur an gefälschten Waren: «Mit dem Kauf gefälschter Artikel unterstützt man auch andere Verbrechen wie Kinderarbeit, Menschenhandel und Geldwäsche.»

Dass kriminelle Netzwerke am Geschäft mit Fälschungen beteiligt sind, bestätigen Studien der EU und von Europol: Kriminelle Gruppierungen würden von diesem «äusserst profitablen und risikoarmen Geschäft angezogen werden», schreibt etwa die Europäische Kommission. Eine Studie von Europol kommt zum Schluss, dass «mafiaähnliche, kriminelle Netzwerke in grossem Umfang an Piraterie und Fälschungen beteiligt sind».

Betrugsdelikte häufen sich

Die Strafverfolgungsbehörden stellen einen generellen Anstieg von Delikten im Zusammenhang mit Internet-Kleinanzeigen fest, wie die Staatsanwaltschaft Aargau auf Anfrage schreibt. Es handle sich dabei nicht nur um Warenfälschungen: Oftmals wird auch eine Bezahlung durch Vorkasse gefordert und danach keine Ware geliefert.

Wer gefälschte Artikel als echte verkauft, muss strafrechtliche Konsequenzen fürchten: Das mögliche Strafmass beträgt Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Wie hoch die Strafe im Einzelfall ausfällt, ist von konkreten Umständen abhängig – unter anderem der Höhe des Deliktbeitrags oder dem Vorleben des Beschuldigten. Die Strafverfolgung gestaltet sich jedoch schwierig, da es in der Regel pro Fall nur um kleine Deliktsbeträge geht und die Täter oft im Ausland handeln.

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