Telefonbetrug - Kriminelle zocken Senioren mit dubiosen Aktien- und Bitcoin-Deals ab
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TelefonbetrugKriminelle zocken Senioren mit dubiosen Aktien- und Bitcoin-Deals ab

Auf Facebook werben Betrüger und Betrügerinnen Jobsuchende als «Paketabholer» an. Ganz offen geben sie zu, Senioren um ihr Erspartes bringen zu wollen.

von
Daniel Krähenbühl
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Sie werden als Kurierfahrer oder «Paketabholer» rekrutiert – und dann bei einem Telefonbetrug eingesetzt. 

Sie werden als Kurierfahrer oder «Paketabholer» rekrutiert – und dann bei einem Telefonbetrug eingesetzt.

Getty Images/Maskot
Die Betrüger sind direkt und versprechen 10 Prozent des Geldwerts im Paket als Belohnung. 

Die Betrüger sind direkt und versprechen 10 Prozent des Geldwerts im Paket als Belohnung.

Privat
Es sei ein «risikofreier Nebenverdienst», so die Behauptung der Betrüger und Betrügerinnen.

Es sei ein «risikofreier Nebenverdienst», so die Behauptung der Betrüger und Betrügerinnen.

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Darum gehts

  • Auf Facebook versuchen Betrüger und Betrügerinnen, Jobsuchende für einen Job als «Paketabholer» anzuheuern.

  • Sie weisen offen darauf hin, dass ihr Geschäftsmodell nicht ganz legal ist.

  • Wer sich bei solchen Kuriertätigkeiten beteiligt, mache sich strafbar, so die Kantonspolizei Zürich.

Yahya Altin (38) ist Taxifahrer in Zürich. Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie sucht er momentan nach zusätzlichen Einkunftsmöglichkeiten. «Als ich auf Facebook eine Annonce für einen Job als Kurierfahrer sah, habe ich mich beworben», sagt Altin. Kurze Zeit später habe er per Whatsapp folgende Nachricht erhalten: «Unsere Vorgehensweise ist, dass wir ältere Menschen dazu bringen, ihr Geld bei uns als Anlagen in Bitcoin oder Aktien zu investieren.»

Die Arbeit von Altin sei es, das Geld oder Gold beim Kunden oder der Kundin abzuholen – mehr nicht, so der unbekannte Arbeitgeber. «Du bist für keine Fragen zuständig und gibst dich als die Person aus, die wir dir sagen.» Während der «Trader» mit dem Kunden oder der Kundin bei der Übergabe telefonisch in Kontakt steht, soll Altin das Paket, das Geld oder Gold enthält, entgegennehmen. «Von der Gesamtsumme gehören dir 10% also bei 100.000 wären das 10.000 Reingewinn für dich.»

«Einfach nur skrupellos»

Relativ direkt weisen die Betrüger oder Betrügerinnen darauf hin, dass die finanziellen Beträge, die der Kunde oder die Kundin übergibt, nicht investiert, sondern ausgezahlt werden. Rechtlich gesehen habe Altin nichts zu befürchten, versichern die Betrüger oder Betrügerinnen: «Wir lenken den Kunden nach der Investition monatelang ab, deshalb kommt es auch zu keiner Anzeige.» Man biete ihm einen «risikofreien Nebenverdienst» mit «Schwarzgeld ohne Steuern» an. Das Angebot schlägt Altin aus. «Ich bevorzuge es, mein Geld ehrlich zu verdienen», antwortet der Taxifahrer.

Wie Altin zu 20 Minuten sagt, machte er am nächsten Tag die Polizei auf die Betrugsmasche aufmerksam. «Man sagte mir jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit, den Betrügern nur mit einer Telefonnummer auf die Spur zu kommen, relativ klein wäre.» Nun wolle er die Öffentlichkeit darüber informieren, um weitere Opfer möglichst zu vermeiden. «Es ist einfach skrupellos, dass man es auf die Schwächsten der Gesellschaft abgesehen hat.» Besonders weh tue ihm, dass die Betrüger und Betrügerinnen mit einer türkischen Handynummer operierten. Er stamme selbst aus der Türkei, sagt Altin. «Das macht mich traurig.»

Auch Abholer und Abholerinnen machen sich strafbar

Wie Carmen Surber, Sprecherin der Kantonspolizei Zürich sagt, dürften es sich hierbei um Callcenter-Betrüger und -Betrügerinnen auf der Suche nach Abholern und Abholerinnen handeln. Oft erhalte das Opfer einen Anruf von einem falschen Polizisten, die Telefonanrufe erfolgten ufig unter einer technisch manipulierten Rufnummer.

Die Täter versuchten, gutgläubige Opfer möglichst über einen längeren Zeitraum in einer erfundenen Legende zu behalten, sagt Surber. «Einerseits gewinnen sie damit Zeit, bis die Tat erkannt wird und andererseits besteht die Hoffnung, mit ständig neuen Vorwänden an weiteres Deliktsgut zu gelangen.»

Die Aussage, dass der Abholer oder die Abholerin rechtlich nichts zu befürchten habe, sei falsch: «Wer sich an solchen ‹Kuriertätigkeiten› beteiligt, macht sich strafbar und muss mit erheblichen Konsequenzen rechnen», sagt Surber. Die Polizei nehme Hinweise auf solche «Jobangebote» jedoch gerne entgegen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Cybercrime betroffen?

Hier findest du Hilfe:

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Aufklärung:

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