Kriminelles im Zürcher Stadthaus
Aktualisiert

Kriminelles im Zürcher Stadthaus

Sie sind ästhetisch und grausig zugleich, die Bilder, die derzeit im Zürcher Stadthaus zu sehen sind. Die Ausstellung «Kriminell - Verbrechen in Zürich als Spiegel ihrer Zeit» lädt zu einem Gang durch die letzten 100 Jahre zürcherischer Kriminalgeschichte ein.

Vieles, was einmal als kriminell galt, ist es später nicht mehr. Manches bleibt strafbar, nimmt jedoch neue Formen an. Eine Ausstellung im Zürcher Stadthaus illustriert dieses Wechselspiel von Kriminalität und gesellschaftlichen Normen mit Bildern von Ereignissen, die zu ihrer Zeit grosses Aufsehen erregten.

Tresorknacker und Hacker

Von Kindsmörderinnen sei beispielsweise seit der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches kaum mehr die Rede. Auch Tresorknacker treten seltener in Erscheinung, dafür schwelle die Internet-Kriminalität an, heisst es in einer Medienmitteilung. Selbst Beziehungsdelikte änderten sich, etwa wenn gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht mehr als verboten gelten.

Zwölf Themenkreise

Konzipiert hat die Ausstellung der Publizist Willi Wottreng. Sie gliedert sich in zwölf Themenkreise. Beispielsweise in «Selbstjustiz - Wenn der Einzelne sich zum Richter erhebt». Darin wird auf Günther Tschanun verwiesen, der im April 1986 als Chef der Stadtzürcher Baupolizei vier Untergebene erschoss.

Auch Lustmorde, Drogensucht, Angriffe auf Minderheiten, Hochstapler, gewalttätige Frauen und Geldfälscher werden in den Gängen des Stadthauses gezeigt. Kriminalgeschichte erzählt immer auch von der «normalen» Gesellschaft. Die Ausstellung will anregen, über solche Zusammenhänge nachzudenken. Vielleicht stärke sie die Einsicht, dass Gut und Böse nicht unveränderlich seien.

«Kriminell - Verbrechen in Zürich als Spiegel ihrer Zeit». Stadthaus Zürich, 23. Januar bis 9. Mai 2008.

(sda)

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