Aktualisiert 28.05.2016 16:59

WindischKris V. aus Psychiatrie ausgebrochen

Der Mörder der 17-jährigen Boi Ngoc Nguyen ist aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden geflüchtet. Er hatte 2009 den Teenager erschlagen.

von
ij/mch/bee
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Wieder in Freiheit: Kris V. wurde aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg entlassen.

Wieder in Freiheit: Kris V. wurde aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg entlassen.

Kapo AG
Am Samstag, 28. Mai 2016, flüchtete der Mörder aus der Klinik in Windisch AG. Der Schweizer hatte 2009 die 17-jährige Boi Ngoc Nguyen im Tessin mit einem Holzscheit erschlagen.

Am Samstag, 28. Mai 2016, flüchtete der Mörder aus der Klinik in Windisch AG. Der Schweizer hatte 2009 die 17-jährige Boi Ngoc Nguyen im Tessin mit einem Holzscheit erschlagen.

Kapo Aargau
Der bei der Tat 16-Jährige erhielt vor dem Jugendgericht in Baden die Höchststrafe.

Der bei der Tat 16-Jährige erhielt vor dem Jugendgericht in Baden die Höchststrafe.

Kapo Aargau

Die Polizei fahndet nach dem Mörder der 17-jährigen Boi Ngoc Nguyen. Der 22-jährige Kris V. ist aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden im aargauischen Windisch ausgebrochen. Die Kantonspolizei Aargau hat einen Fahndungsaufruf veröffentlicht.

Um 3.30 Uhr habe die Polizei die Meldung über den Ausbruch erhalten und sofort die Fahndung eingeleitet. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte über den Verbleib des verurteilten Straftäters. Der Mann sei «gewaltsam aus der geschlossenen forensischen Abteilung entwichen», heisst es in einer Medienmitteilung der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG).

Schwere psychische Störung

Der Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, Bernhard Graser, rät der Bevölkerung zur Zurückhaltung. «Er ist ein verurteilter Mörder», so Graser zu 20 Minuten. «Das Gefahrenpotenzial, das von ihm ausgeht, ist schwer abzuschätzen.» Bürger sollen nichts auf eigene Faust unternehmen, sondern die Polizei alarmieren.

Die Fahndung sei mittlerweile ausgeweitet worden. «Er könnte in der ganzen Schweiz sein», sagt der Polizeisprecher. Man habe zuerst im weiteren Umfeld der Klinik gesucht, dann die Suche ausgedehnt, auch auf bekannte Aufenthaltsorte des Mannes. Auch Polizeihunde kamen zum Einsatz.

Kris V. befand sich im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung in der Klinik. Laut einem Gutachten der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel leidet V. an einer schweren psychischen Störung, die mittels intensiver, langfristiger Psychotherapie zu behandeln ist.

Zur Tatzeit noch minderjährig

Kris V. hatte 2009 die 17-Jährigen Boi Ngoc Ngyuen im Tessin mit einem Holzscheit erschlagen. Er war zur Tatzeit erst 16 Jahre alt gewesen. Die Überreste des Opfers waren im Juni 2010, erst zehn Monate nach dem Verschwinden, in Sessa TI aufgefunden worden.

Die Vietnamesin aus dem Kanton Schwyz war seit August 2009 als vermisst gemeldet. Sie war damals mit dem Zug ins Tessin gefahren anstatt nach Zürich, wie sie ihren Eltern angekündigt hatte.

Dort trafen sich das Mädchen und der Jugendliche erstmals. Sie kannten sich bereits seit etwa zwei Jahren aus dem Internet aus Chats und Online-Spielen sowie von Telefongesprächen.

Handy-Daten-Spur führte zum Täter

Nach der Tat hatte der Jugendliche die Leiche einige Meter über den Waldboden geschleift und hinter Sträuchern versteckt. Er nahm einige Gegenstände des Opfers an sich, darunter das Handy. Darauf ging er in die Ferienwohnung seiner Eltern zurück, wo er sich nichts anmerken liess.

Der Jugendliche wurde am 23. Juni 2010 an seinem Wohnort im Aargau verhaftet. Aufgrund ausgewerteter Handy-Daten hatte die Polizei den Schweizer bereits im August 2009 befragt.

«Deutlich ausgeprägtes Rückfallrisiko»

Das Jugendgericht Baden verurteilte V. zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung. Weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen bis zum Erreichen des 22. Altersjahres befristet sind, wurde Kris V. im Sommer 2015 auf Antrag der Jugendanwaltschaft fürsorgerisch in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Klinik Königsfelden untergebracht.

In einem Expertenbericht war von einem «deutlich ausgeprägten Rückfallrisiko» die Rede. Erst wenn der Mann im Therapieverlauf schrittweise auf ein Leben in der Freiheit vorbereitet und damit auch die Rückfallgefahr verkleinert werden könne, müsse die Behandlung nicht mehr in einer psychiatrischen Klinik erfolgen. (ij/mch/bee/sda)

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