Aktualisiert 08.12.2008 21:35

Einbruch bei den AnzeigenKrise treibt US-Zeitungsgruppe in den Konkurs

Eine der grössten Zeitungsverlage in den USA hat Konkurs angemeldet. Die Mediengruppe Tribune, zu der traditionsreiche Blätter wie die «Los Angeles Times» und die «Chicago Tribune» gehören, beantragte Gläubigerschutz.

Ein rapider Einbruch bei den Einnahmen und die Schuldenlast des Unternehmens hätte diesen Schritt nötig gemacht, teilte der Konzern am Montag mit. Die Zeit des Gläubigerschutzes solle zu einer weitreichenden Umstrukturierung genutzt werden.

«Das Unternehmen wird seinen Medienbetrieb unter Gläubigerschutz fortsetzen, Zeitungen herausgeben und seine Fernsehstationen und Internetmedien ohne Unterbrechung betreiben», hiess es in der Erklärung des Konzerns, dem neun Zeitungen und mehr als 20 TV- Stationen gehören.

Anzeigengeschäft eingebrochen

Tribune-Chef Sam Zell, der das Unternehmen im vergangenen Jahr übernommen hatte, machte das schwierige konjunkturelle Umfeld für die Schwierigkeiten mitverantwortlich. Die Einnahmen seien zuletzt eingebrochen, und die Finanzkrise mache es schwierig, Kredite anzuwerben, teilte er mit.

Diese Faktoren hätten sich zu einem «perfekten Sturm» für das Unternehmen gebündelt. Im November hatte Tribune für das dritte Quartal einen Verlust von 124 Millionen Dollar bekannt gegeben.

Der Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts ermöglicht es dem Unternehmen, unter dem bisherigen Management weiterzuarbeiten und gleichzeitig seine Geschäfte neu zu ordnen. Zell kündigte an, bei der Umstrukturierung solle vor allem die Schuldenlast im Mittelpunkt stehen, die laut US-Medienberichten bei 13 Milliarden Dollar liegt.

Baseball-Club soll verkauft werden

Der Immobilienmogul Zell hatte die Verlagsgruppe im vergangenen Jahr erworben, danach aber den Acht-Milliarden-Dollar-Kredit für den Kauf dem Unternehmen als Schulden aufgebürdet, wie US-Medien berichteten. Er selber habe nur etwa 315 Millionen Dollar für das Geschäft aufgebracht, berichtete die «Washington Post».

Zum Tribune-Konzern zählt auch der Baseball-Club Chicago Cubs, der aber vom Gläubigerschutz ausgenommen bleiben soll. Das Unternehmen kündigte an, für den Club einen Käufer zu suchen. Gemessen am Umsatz ist Tribune der zweitgrösste Zeitungsverlag in den USA, gemessen an der Auflage der drittgrösste.

«NYT» sorgt vor

Auch die «New York Times», ein Flaggschiff der US-Zeitungsbranche, rüstet sich für mögliche Liquiditätsprobleme. Das Management gab bekannt, eine Hypothek auf ihren neuen Firmensitz in Manhattan aufgenommen zu haben.

Die 225 Millionen Dollar aus dem Hypothekengeschäft sollten eine Liquiditätskrise abwenden, die durch die angespannte Lage auf den Kreditmärkten entstanden sei, teilte das Unternehmen mit. Der 52- stöckige Bau des Stararchitekten Renzo Piano war erst im vergangenen Jahr eingeweiht worden. (sda)

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