Stellenabbau: Kriselnde Air Berlin streicht jede zehnte Stelle
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StellenabbauKriselnde Air Berlin streicht jede zehnte Stelle

Kahlschlag bei der Billigfluglinie Air Berlin: Dem Sparprogramm «Turbine» sollen rund 900 Stellen zum Opfer fallen.

Das Sparprogramm «Turbine» wird zum Streichkonzert.

Das Sparprogramm «Turbine» wird zum Streichkonzert.

Die trudelnde Fluggesellschaft Air Berlin verschärft ihren Sanierungskurs und streicht bis Ende 2014 fast jeden zehnten von derzeit 9'300 Arbeitsplätzen. Rund 900 Stellen werden dem Sparprogramm «Turbine» zum Opfer fallen, wie Air Berlin am Dienstag in Berlin ankündigte. In welchem Ausmass dabei jeweils Boden-, Kabinen- und Cockpitpersonal betroffen sein werden, blieb offen. Das Streichprogramm gehe über alle Geschäftsbereiche, erklärte Air Berlin. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen.

Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft, die seit Jahren starke Verluste macht und Schulden in hoher dreistelliger Millionenhöhe angehäuft hat, will auch das Streckennetz straffen und die Flotte verkleinern. Ziel sei, bis Ende kommenden Jahres 400 Millionen Euro einzusparen, um Air Berlin dauerhaft wieder flott zu machen.

Reduzierte Flotte

Die Flugzeugflotte soll dazu in diesem Jahr von zuletzt 158 auf 142 Maschinen reduziert werden. Bei den Standorten für die Flugzeuge kündigte Air Berlin eine Konzentration an, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Zudem will sich die Fluggesellschaft auf rentable Strecken beschränken. Die Zahl der Flüge nach Mallorca werde zum Beispiel erhöht.

Der neue Vorstandsvorsitzende Wolfgang Prock-Schauer drückt mit den Ankündigungen eine Woche nach seinem Amtsantritt bei der Sanierung von Air Berlin kräftig aufs Tempo. Der Österreicher hatte das Steuer von Hartmut Mehdorn übernommen, der nach 16 Monaten den Führungsposten überraschend früh verlassen hatte. Der ehemalige Deutsche-Bahn-Chef Mehdorn war als Sanierer bei Air Berlin angetreten. Er hatte den rigiden Sparkurs gestartet und für 2012 wieder einen Gewinn in Aussicht gestellt.

Harter Konkurrenzkampf

Air Berlin leidet wie fast die gesamte Branche unter dem harten Konkurrenzkampf in Europa. Auch die immer wieder verschobene Eröffnung des neuen Berliner Hauptstadtflughafens belastet die Kasse der Fluggesellschaft.

Zudem büsst Air Berlin noch immer für das rasante und teure Wachstum in früheren Jahren, als unter Mehdorns Vorgänger Joachim Hunold reihenweise kleinere Wettbewerber geschluckt wurden. Nur durch den Einstieg des arabischen Konkurrenten Etihad Airways als Grossaktionär hatte sich Air Berlin finanziell Luft verschaffen können.

Etihad mit Sitz in Abu Dhabi war im Dezember 2011 mit einem Anteil von fast 30 Prozent bei Air Berlin eingestiegen und hatte damit für die dringend benötigte Kapitalspritze gesorgt. Zudem kaufte Etihad Ende vergangenen Jahres die Mehrheit am Air Berlin-Vielfliegerprogramm «Topbonus» und spülte damit im umsatzschwachen Winterhalbjahr weitere 184,4 Millionen Euro in die Kasse des kriselnden Partners.

(dapd)

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