Aktualisiert 08.04.2020 05:23

Covid-19 in den USA

Krisenmanagement in der Kritik? So reagiert Trump

Wer den US-Präsidenten wegen der Handhabung in der Corona-Epidemie kritisiert, bekommt etwas zu hören. Das Misstrauen der Trump-Administration gegenüber wissenschaftlicher Expertise ist gross.

von
gux

Am Montag stand der US-Präsident in Washington der Presse Rede und Antwort. Kritische Fragen zu seinem Krisenmanagement brachten Trump dabei zur Weissglut. So machte er einen langjährigen ABC-Korrespondenten zur Schnecke, als dieser ihn auf den Bericht einer gestandenen Mitarbeiterin einer Gesundheitsbehörde ansprach. Der Bericht thematisiert die Versorgungsengpässe der Spitäler im ganzen Land. Der Bericht sei doch politisch motiviert, blaffte Trump.

Dass die Verfasserin des Berichts zuvor für die Obama-Regierung gearbeitet hatte, brachte das Fass vollends zum Überlaufen: «Sie sind ein drittrangiger Reporter», wies Trump den Mann zurecht. «Sie sind eine Schande. Sie werden es nie zu etwas bringen.»

«Wir haben alle Ärzte von Boris kontaktiert»

Bei dem Briefing vom Montag deutete Trump zudem an, dass er eine Therapie für den an Covid-19 erkrankten britischen Premierminister in Austrag gegeben habe. Nach einem Treffen mit Bossen aus der Pharmabranche habe er diese gebeten, sofort in London anzurufen: «Diese Männer sprechen eine Sprache, die die wenigsten verstehen, aber ich verstehe etwas – nämlich dass es grosse Fortschritte in den Therapien gibt. Wir haben alle Ärzte von Boris kontaktiert und wir werden sehen, was passieren wird.»Was für eine Therapie das sein soll, darüber schwieg sich Trump aus. Das Hilfsangebot hat London in der Zwischenzeit dankend abgelehnt: «Wir sind zuversichtlich, dass der Premierminister die bestmögliche Behandlung durch unsere Gesundheitsdienste erhält. Jede Therapie, die er erhält, ist Sache der Ärzte», so ein Sprecher von Boris Johnson.

Es sei geradezu surreal gewesen, dem Präsidenten am Montag zuzuhören, während die Zahl der Toten im Land über 10'000 stieg, so ein CNN-Reporter. «Die Haltung des Präsidenten, der einst voraussagte, dass das Virus wie durch ein Wunder wieder verschwinden würde, wenig auf Expertenmeinungen und -ratschläge zu hören, hat die gesamte Administration gefärbt, sei es der Klimawandel, Aussenpolitik oder die aktuelle Krise.»

Trump und Co. als Experten für Anti-Malaria-Mittel?

Tatsächlich ist das Misstrauen gegenüber der Wissenschaft und politischer Expertise tief in der DNA von Trumps Team verankert. Das zeigte sich auch am Wochenende: Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro wies Anthony Fauci in die Schranken, den obersten Epidemiologen der USA.

Dabei ging es um die Wirkung von Hydroxychloroquin bei der Behandlung von Covid-19. Das Anti-Malaria-Medikament wird von Präsident Trump schon lange als Allerheilmittel gegen das Coronavirus angepriesen, ohne dass dies wissenschaftlich erwiesen wäre. «Ich habe einen Doktortitel», sagte der Ökonom, «und ich weiss, wie man Statistiken liest, ob diese nun medizinisch sind, juristisch, ökonomisch oder was auch immer.»

Als Reporter den Chef-Epidemiologen später an einer Pressekonferenz mit dem US-Präsidenten näher zu dem Medikament befragen wollten, fuhr Trump dazwischen: Er habe diese Frage bereits mehrfach beantwortet, so Trump. Es gebe «sehr, sehr starke Zeichen», dass das Medikament das Virus im Körper vernichten könne.

Ärzte warnen

Tatsächlich aber warnen Ärzte vor einer Einnahme des Anti-Malaria-Medikaments bei einer Covid-Erkrankung: Die Wirkung des verschreibungspflichtigen Medikaments sei nicht erwiesen und es würden oft schwere Nebenwirkungen wie Sehverlust oder Herzbeschwerden auftreten. Auch Fauci hatte immer wieder zu Vorsicht im Umgang mit Hydroxychloroquin aufgerufen. Ob er bei dem Thema wieder zu Wort kommen darf, ist ungewiss.

Immerhin hört der Präsident in anderen Bereichen noch auf Fauci: Nachdem die USA bis Ostersonntag wieder weitgehend im Normalbetrieb sehen wollte, hat er die geltenden Richtlinien zur Eindämmung der Corona-Epidemie nun doch bis zum 30. April verlängert.

Die USA melden heute, Dienstag, fast 400'000 Covid-19-Ansteckungen und 11'830 Tote.

Trump droht WHO

US-Präsident Donald Trump erhöht in der Coronavirus-Krise den Druck auf die Weltgesundheitsorganisation WHO. Trump drohte bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus, Gelder für die WHO einzufrieren. Man werde die Beendigung der Finanzierung prüfen, sagte Trump. Trump hatte der WHO bereits vorgeworfen, es in der Coronavirus-Pandemie «wirklich vermasselt» zu haben. Die Organisation habe zu Beginn der Pandemie mehr gewusst, als sie offengelegt habe. Zudem warf er der in Genf ansässigen Organisation zudem vor, «sehr chinazentriert» zu sein.

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