5G-Antenne: Berset-Antenne «hätte bewilligt werden müssen»

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5G-AntenneBerset-Antenne «hätte bewilligt werden müssen»

Um sich gegen den Bau einer Mobilfunkantenne unweit seines Hauses zu wehren, erhob Alain Berset gemeinsam mit Nachbarn erfolgreich Einsprache. Nun kritisieren Experten das Vorgehen des Denkmalschutzes.

von
Benedikt Hollenstein
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Alain Berset hat 2018 gemeinsam mit Familienmitgliedern und Nachbarn eine Einsprache gegen eine geplante Mobilfunkantenne eingereicht.

Alain Berset hat 2018 gemeinsam mit Familienmitgliedern und Nachbarn eine Einsprache gegen eine geplante Mobilfunkantenne eingereicht.

20min/Simon Glauser
Ein Bericht des Denkmalschutzes gab der Einsprache grösstenteils recht.

Ein Bericht des Denkmalschutzes gab der Einsprache grösstenteils recht.

20min/Matthias Spicher
Daraufhin zog die Swisscom das Baugesuch zurück.

Daraufhin zog die Swisscom das Baugesuch zurück.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • 2018 wehrte sich der Bundesrat mit Mitstreitern erfolgreich gegen den Bau einer Mobilfunkantenne.

  • Als eines der Hauptargumente diente ein Bericht des Amts für Kulturgüter.

  • Experten üben nun Kritik am Entscheid – auch das Amt gibt zu, dass einige Argumente «weit hergeholt» seien.

Im freiburgischen Belfaux sollte 2018 eine Handy-Antenne errichtet werden, damals noch nach dem 4G-Standard. Doch neben anderen Anwohnern und Anwohnerinnen wehrte sich auch ein prominenter Bürger gegen das Projekt: Alain Berset und mehrere Familienmitglieder reichten Beschwerde gegen den Bau ein. Ein Bericht des Freiburger Amts für Kulturgüter gab dem Bundesrat Rückendeckung, woraufhin die Swisscom das Gesuch für die Antenne zurückzog.

«Schwer nachvollziehbare Argumente»

Jetzt kritisieren mehrere Experten im Baurecht den Entscheid, der Einsprache von Berset und Nachbarn zuzustimmen, wie die «Rundschau» berichtete. Einer von ihnen ist Michael Fretz, der als Fachanwalt für Baurecht tätig ist. Laut ihm sind die Argumentationen des Amts für Kulturgüter vom Kanton Freiburg zum Teil nur schwer nachvollziehbar: «Im Bericht fehlen mir schlicht die Sichtbeziehungen, die anscheinend durch die Antenne gestört würden.» Eine räumliche Nähe zu den denkmalgeschützten Objekten im betroffenen Gebiet sei aus seiner Sicht nicht gegeben, auch wäre die Antenne nicht innerhalb von Schutzzonen gestanden. Fretz, der als Anwalt bereits in mehreren Fällen vor Gericht gegen geplante Antennen gekämpft hat, kommt deshalb im Fall Berset zum Schluss: «Das wäre jetzt eher eine Antenne, die man hätte bewilligen müssen.»

Der Chef des Freiburger Amts für Kulturgüter, einer der Mitunterzeichner des Berichts, verteidigt den Entscheid. So wäre die Antenne laut Stanislas Rück von einem bestimmten Strassenabschnitt aus deutlich sichtbar zwischen dem Haus des Bundesrates und einem zweiten, denkmalgeschützten Haus zu sehen. Doch er räumt ein, dass andere Argumente «weit hergeholt» seien. Beim Beschrieb der Wirkung der Antenne auf Bersets Haus habe man sich «herausgelehnt», weil es ein wichtiges und geschütztes Haus sei.

Swisscom lenkte ohne Widerstand ein

Ungewöhnlich ist laut den Experten auch, dass die Swisscom das Baugesuch für die Antenne nach dem Bericht des Denkmalschutzes zurückzog, statt einen Entscheid abzuwarten und diesen anzufechten, sollte er negativ ausfallen. Der Telekommunikationsanbieter führt als Grund den Bericht des Amts für Kulturgüter an. «Wir haben den Denkmal- und Landschaftsschutz bei diesem Projekt nicht ausreichend gewichtet», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli gegenüber SRF. Der Widerstand von Alain Berset habe demnach keine Rolle gespielt.

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