Fussball: Kritik an Fifa-Reformprozess
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FussballKritik an Fifa-Reformprozess

Der Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth, Anti-Korruptionsexperte der Fifa, und die deutsche Antidoping-Kämpferin Sylvia Schenk haben die Beschlüsse der Exekutive für Reformen des Weltverbandes skeptisch bewertet.

Nachdem der Zehn-Punkte-Plan für mehr Demokratie und Transparenz nach dem zweitägigen Fifa-Kongress beträchtlich geschrumpft war, haben sich Pieth und Schenk besorgt um die Entwicklung des Reformprozesses gezeigt: «Inhaltlich sind die Beschlüsse noch nicht überzeugend. Ich sehe ganz klar noch Defizite. Klar ist auch, dass der Einblick von externen Personen in die Fifa-Exekutive weiter gescheut wird», erklärte Pieth.

Gutgeheissen hat der Weltverband die Amtszeitbeschränkung des Fifa-Präsidenten auf zwölf Jahre. Zudem wird die Vergabe der Weltmeisterschaften künftig durch den Fifa-Kongress statt durch die Exekutive erfolgen. Die Exekutive behielt sich aber ein Prüfungs- und Vorschlagsrecht vor und wird künftig eine Vorauswahl auf maximal drei Bewerber vornehmen. Auch die Integritätsüberprüfung der Funktionäre wird kommen - allerdings nicht durch jene unabhängige Instanz, die von Aussenstehenden verlangt worden war. Weiterhin fehlen wird die besonders von Pieth geforderte, unabhängige Person im engsten Führungszirkel der Fifa. Auch die vorgeschlagene Amtszeit- und Altersbeschränkung für die hohen Positionen im Weltverband, gegen die sich Blatter stellt, dürfte abgelehnt werden. Zuvor hatte die Fifa verkündet, Pieths Vorschlag erst Ende Mai am Kongress auf Mauritius behandeln zu wollen.

Wie Pieth hält auch Schenk als Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International die Resultate von Zürich nicht für den grossen Wurf: «Das ist mehr oder weniger das Ende des Reformprozesses, denn es ist mehr Kosmetik als Inhalt. Wir halten gar nichts davon, dass eigene Leute die Kandidaten überprüfen sollen. Das muss unabhängig erfolgen», sagten beide übereinstimmend. (si)

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